Nouvelle 2001

Brief aus Grandchamp 2001

Wir hoffen und warten

Wann endlich bricht er an, der neue Tag, an dem alle Völker in Gerechtigkeit und Frieden leben können? Lange währt die Nacht, endlos scheint der Weg, doch Gott geht an unserer Seite. Ist es möglich, dass ihm angesichts von so viel Leiden manchmal nur noch das Schweigen bleibt, um seine Tränen darin zu verbergen und um uns seine unendlich grosse Barmherzigkeit zuzusagen? Wir sind von einer grossen Liebe getragen, die über die zugleich schöne und gequälte Welt wacht. Unser Bild koreanischer Herkunft drückt es besser als Worte aus: Christus umfängt die Welt mit unendlicher Zartheit. Hinter ihm das lebenspendende Kreuz, der Baum des Lebens, der jeden Monat seine Frucht bringt und »dessen Blätter zur Heilung der Völker dienen« (Offb 22,2).

In seiner Homilie zum Fest des lebenspendenden Kreuzes, kurz nach den Attentaten in New York, kommentierte Pfr. P. Bühler die Texte des Tages (4.Mose 21,4–9/Offb 22,1–5/Joh 3,13–17) folgendermassen:

»… die Welt ist in Trauer (…) Wir sind, wie die Kinder Israels, von brennenden Schlangen gebissen: von Entsetzen, Traurigkeit, Angst, Zorn, Beunruhigung (…) Das, was die Welt uns zeigt, und die Verheissungen des Wortes Gottes stossen sich aneinan der. Wir können nicht einfach so tun, als ob es diese Spannung nicht gäbe. Wir müssen sie aushalten, auch wenn sie uns beisst und verletzt, sie aushalten ,bis wir sie im Glauben auf uns nehmen können. Gerne würden wir diese Spannung durch einen grossen, klaren, leuchtenden Sieg auflösen, der uns von allen Schlangenbissen befreit.

So hat Präsident Bush dem amerikanischen Volk den Sieg des Guten über das Böse verheissen, als ob von vornherein feststünde, auf welcher Seite das Gute und auf welcher das Böse zu finden ist! Es ist zu befürchten, dass dieses grosse Gute, zu schnell für sich in Anspruch genommen, neu das Böse bewirkt (…). Das Kreuz bringt uns nicht durch einen grossen Sieg das Leben. Es befreit uns nicht vom Tod, von Zweifel, Angst und allen Schlangenbissen (…), sondern es schenkt uns eine neue Sicht der Dinge (…). Die Schlangen sind da und beissen uns von allen Seiten. Doch weil diese Bisse von Christi Tod verschlungen worden sind, haben wir die Gewissheit, die in uns stets neu belebt werden kann, dass diese Bisse nicht das letzte Wort haben. Sie werden noch und noch in Gottes Liebe für die Welt und für die Menschen,, die, sie bewohnen, aufgenommen.«

Jesus ist in der Liebe bis zum Aeussersten gegangen; er hat sein Leben für seine Freunde und seine Feinde hingegeben. »Die einzig mögliche Antwort auf die Gewalt ist die Heiligkeit« (Père Christophe Théobald s.j.), schrieb uns s.Anne-Geneviève aus Alger. Gottes Antwort auf das Böse ist eine grössere Liebe. »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun« (Lk 23,34).Unauslotbare Tiefe der Vergebung, dieuns aufrichtet und den anderen zuwendet, uns zu ihnen sendet. Denn Jesus lädt uns ein, ihm nachzufolgen, einzutreten in seinen Kampf gegen die Mächte des Bösen, gegen alles, was den Menschen entstellt. Sein Ruf ist von brennender Aktualität in einer Welt, in der Unsicherheit und Angst zunehmen, in welcher der Feind oft die Gestalt des anderen annimmt, dessen, der anders ist als wir . Einzig die »Feindesliebe« kann den Höllenkreis der Gewalt durchbrechen, kann wirklich Zukunft eröffnen.

Diesen Kampf können wir nur mit und in Ihm führen. An uns ist es, unermüdlich zur Quelle zurückzukehren, die unendlich grosse Mitleidensfähigkeit des Vaters, der in Jesus von Nazareth Gestalt angenommen hat, zu betrachten, uns Dem zuzuwenden, der uns im tiefsten Wesen anruft und um unsere Liebe bittet. So können wir nach und nach uns entwaffnen lassen von unseren »Willen Recht zu haben«, uns zu »rechtfertigen, indem wir andere herabsetzen«, wie Patriarch Athenagoras sagte, uns zu rächen … – um einzig aus der Kraft der Liebe, der Vergebung, der Gewaltfreiheit nach dem Evangelium zu leben. Es geht darum, den härtesten Krieg, nämlich den gegen uns selbst, zu führen, bis an die Wurzel des Uebels zu gehen, nicht den Feind zu verwechseln, indem wir den anderen mit dem Bösen gleichsetzen. Unser einziges Schlachtfeld ist unser Herz.

»Einheit und Heiligkeit…
im Licht der Verklärung«

Das Thema unseres Schwesternrates wollte uns von vornherein zum tiefsten Ursprung der Gemeinschaft weisen, zum Leben der Heiligen Dreifaltigkeit, in der wir jetzt schon eins sind. Einheit und Heiligkeit gehören zusammen. »Die Heiligkeit weiss nichts von der Spaltung der Kirche«, sagte Abbé Couturier. Heiligkeit nicht als moralische Perfektion, die man selber erreichen könnte, sondern als Gabe der überreichen Liebe Gottes, die sich uns mitteilen will. Gleich einem schon in uns angelegten Keim entfaltet sie sich in unserer Gemeinschaft mit ihm. Es ist ein Weg, auf dem wir lernen, in unsere existenzielle Armut einzuwilligen, um sie Seiner Fülle zu öffnen. Gott ruft uns alle zur Heiligkeit, zur Bereitschaft, uns versöhnen und befrieden zu lassen. Er möchte, dass wir voll und ganz menschlich werden und lädt uns ein, »dem Bild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit dieser der Erstgeborene vieler Brüder und Schwestern werde« (Röm 8,29).

Die Einheit entsteht tatsächlich im Inneren, aus der langsamen und geduldigen Verklärung unseres Lebens, welche in der Kontemplation Christi und nicht ohne geistlichen Kampf geschieht. Dies war schon die Ueberzeugung von Mère Geneviève. Wie wichtig auch die oekumenische Arbeit war – hatte sie doch in den fünfziger Jahren die Oekumenischen Gespräche zur Vorbereitung der Gebetswoche für die Einheit der Christen angeregt – diese Arbeit musste sich auf das stützen, was für sie wesentlich blieb, nämlich auf den Kampf für die eine Kirche, dem Gebet in Johannes 17 gemäss, und auf das Hineinwachsen in ein Leben in Christus bis zu dem Tag, an dem »Gott alles in allen sein wird« (1 Kor 15,28). Eine Perspektive, die sicher die Einheit der Kirche im Blick hatte, die jedoch weiter reichte, um schliesslich die ganze Menschheit und auch noch die Schöpfung zu umfassen.

»Damit sie eins seien, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, dass auch sie in uns eins seien« (Joh 17,21a). In der Retraite während des Schwesternrats hat Pfr. Daniel Bourguet betont, dass unsere Einheit in Gott gründet, ob es nun darum geht, »zusammen eins zu sein« oder »einzeln eins zu sein«: es ist eine »Einheit in Bewegung«, die anziehend wirkt, weil sie Trägerin eines Lichtes ist.

Unsere Berufung verlangt von uns diesen langen Prozess der inneren Einswerdung, der Vereinfachung und der Umkehr im Gehorsam dem Evangelium gegenüber, damit wir nach und nach und ganz konkret in unseren Beziehungen das werden, was wir im tiefsten schon sind: gemeinschaftliche Menschen, indem wir lernen aufeinander zu hören, uns gegenseitig anzunehmen, voneinander zu empfangen, gemeinsam arm zu sein. Die Koinonia zu leben ist Gabe und Aufgabe: das Geheimnis der Gemeinschaft, welche die Kirche ist, sichtbar machen. Dies ist die Herausforderung, die ganz besonders an die Klostergemeinschaften gerichtet ist, und die auch das Thema einer Konferenz von s.Minke in diesem Frühjahr gewesen ist. Ein Anderer ist am Werk. So gehen wir vorwärts, vom Gebet Christi getragen: »Dass sie eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast, und sie liebst, wie du mich liebst« (Joh 17,21.23).

Beten und kämpfen für die Einheit der Kirchen, nicht als Selbstzweck, sondern um zusammen ein sichtbares Zeichen der Gemeinschaft der Liebe zu sein, die Gott für die ganze Menschheit will, in der Freude an der Vielfalt, dem Respekt der Unterschiede und des Weges einer-s jeden zu Gott. Mehr denn je sind wir uns heute dessen bewusst, dass wir nicht ohne die anderen sein können; wir bedürfen ihrer, um ganz wir selbst zu werden. Alle gehen wir Dem entgegen, der seine Spur im Herzen eines jeden Menschen eingeprägt hat. Die Oekumenische Charta, die im April vom Präsident der Konferenz der Europäischen Kirchen und vom Präsidenten des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen unterzeichnet worden ist, bestätigt, dass der Ruf zur Einheit uns verpflichtet, unsere Beziehung zum Volk des Ersten Bundes zu vertiefen, den Dialog mit dem Islam und den anderen Religionen weiter zu entwickeln, an der Versöhnung der Völker und der Kulturen sowie der Bewahrung der Schöpfung weiter zu arbeiten.

Verschiedene Beiträge

Unser Gebet wurde durch verschiedene Beiträge bereichert; ebenso unsere Ueberlegungen dazu, wie wir uns zu der heutigen Lage der Kirche und der Welt stellen. Mit der Theologin Lytta Basset hatten wir eine Tagung über den Geist des Verurteilens. Prof. Gottfried Hammann, Br.Franz Müller, Père Marc Donzé und Abbé André Duruz, ehemaliger Generalvikar in Neuchâtel, gaben uns Zeugnis von ihrem ökumenischen Engagement. Frau Esther Starobinski stellte uns die jüdische Sicht von »Einheit und Heiligkeit« dar. Karin Stahl hat uns in den Ablauf der Kontemplativen Exerzitien eingeführt, so wie sie in Gries (D) gegeben werden, wo schon mehrere Schwestern an einer Retraite teilgenommen haben. Das Einüben des Hörens im Schweigen, wie Pater Franz Jalics es vorschlägt, ist eine Antwort auf ein Bedürfnis der heutigen Zeit, ebenso wie das Schlusswort von Pfarrer Daniel Bourguet: »Ich bitte euch, der Stille immer einen Platz einzuräumen. Denn aus ihr entspringt das grosse Staunen«. Staunen vor der Gewissheit, die eines Tages in uns aufsteigt: »Gott ist Liebe«. Dies war das Thema der ersten Retraite hier in Grandchamp, im Jahr 1931, also vor 70 Jahren! Véronique Laufer hat für uns die Etappen ihrer Vorbereitung nachgezeichnet und die stete Sorge von Mère Geneviève hervorgehoben, die Stille möge darin den ihr gebührenden wesentlichen Platz einnehmen: die Stille als Armut, als ein Sich-zurücknehmen, damit Gott sich uns mitteilen kann und wir das Wort der Wahrheit empfangen können. Sie befreit uns von der Lüge und verhilft uns zum Leben, zu einer neuen Sichtweise, die uns zuerst die anderen wahrnehmen lässt. Sie lässt uns ebenso die uns umgebende Welt, welche heute noch ein »Schlachtfeld« zu sein scheint, als Tempel Seiner Gegenwart erkennen.

Begegnungen

Das alltägliche Leben mit seinen Begegnungen bietet viele Gelegenheiten, uns zu einer immer tieferen Gemeinschaft anzuspornen. Austausch, neue und alte freundschaftliche Bande mit zahlreichen Kommunitäten, das Zusammenleben im Alltag mit Schwestern aus anderen Klöstern, über längere Zeit hinweg, bieten kostbare Begegnungen und Möglichkeiten, gemeinsam die Wirklichkeit unserer Einheit in Gott zu empfangen und neue Farben in unsere Palette aufzunehmen.

»Die Kommunität als Ort von Gemeinschaft«, war das Thema der Tagung mit Simone Pacot und Marie-Madeleine Laurent, zu der etwa 30 Verantwortliche von Kommunitäten sowie Noviziaten nach Grandchamp kamen; das Internationale Interkonfessionelle Treffen für Ordensleute in Subiaco; das Kommunitätentreffen in Polen; das Treffen des Leitungsausschusses von KAÏRE und von EIIR in Grandchamp; das IX. Oekumenische Internationale Kolloquium in Bose; ein Kolloquium über Dom Lambert Beauduin im Rahmen der 75-Jahr-Feiern von Chevetogne.

Auch das Noviziat hat seinen Gesichtskreis erweitert: s.Regina hat an einer Tagung für Verantwortliche benediktinischer und zisterziensischer Noviziate in Bose teilgenommen. Die jungen Schwestern konnten zusammen mit Novizinnen der anderen kontemplativen Klöster in der Westschweiz an einer biblischen Fortbildungsreihe im Rahmen des SDC teilnehmen. Zweimal waren sie mit s.Bianca kurz nach ihrem Eintritt ins Noviziat einen Tag lang in Le Pâquier, um sich mit dem Leben und der Spiritualität eines Karmels vertraut zu machen. Sie nahmen auch an einer Studienwoche zur Christologie mit Frère Pierre-Yves von Taizé teil.

Anlässlich ihrer 40 Jahre Profess unternahmen s.Paule, s.Laure, s.Monique und s. Anne-Geneviève in Begleitung von s.Minke und s.Myriam eine fröhliche Pilgerfahrt zu den Bernhardinerinnen von Collombey. S.Hanna von Ste Françoise Romaine war für ihre Vorbereitung auf die Profess bei uns zur Retraite, und wir haben unsererseits Besuche in Le Bec Hellouin, bei den Brüdern von Rostrevor, in Corymeela, Versailles, Eygalières, Taizé … gemacht. S.Minke hat mehreren Einladungen Folge geleistet und war in Pomeyrol, Bose, Cabanoule, Namur, Vernières…; s.Michèle hat für die Schwestern der Cella des Ordo Pacis eine Retraite gehalten.

Besuche aus Afrika: Wir haben zwei bewegende Begegnungen mit Laurien und mit dem anglikanischen Bischof Yered Kalimba aus Rwanda gehabt. – Aus Kamerun haben Lucette und Ebenezer an der Osterretraite mit Pfarrer U.Rüegg teilgenommen. – Der Austausch mit unseren Freunden aus Benin wird regelmässig: Richard, wie sein Bruder Timothée Glied des O.E., ist zu einer Begegnungsrunde gekommen, an der wir grosse Freude hatten. Dieses Jahr sind Evelyne Roulet und Maurice Bodinier nach Ostern in den Benin geflogen, um zwei Retraiten zu geben.

Eine Pilgerfahrt nach Polen liess s.Michèle einem freundlichen Volk und seinen Leiden aus älterer und neuerer Zeit begegnen. Jüdische, lutherische und katholische Gemeinden haben sie stark beeindruckt. Wie sehr kann eine beiderseitige Haltung der Demut und Wahrheit Herzen öffnen und erste Schritte der Versöhnung ermöglichen. »Ich bin meinen polnischen Brüdern und Schwestern, allen meinen neuen Freunden, zutiefst dankbar. Was der seit 10 Jahren in Auschwitz lebende, deutsche Priester Manfred Deselaers in einem Aufsatz schreibt, könnte meine Reise zusammenfassen: ›Wie konnten wir so völlig eine Haltung von Respekt und Menschlichkeit verlieren? Auschwitz ist eine noch schmerzende Wunde, deren Gedenken uns jedoch nicht krank machen, sondern menschlicher werden lassen, uns heilen sollte. Die Antwort auf den Schrei von Auschwitz ist nicht eine Theorie über Gott, sondern eine aktive Liebe. Wir verdanken die Vision der Menschenwürde der jüdisch-christlichen Offenbarung. Als Christ bin ich dem jüdischen Volk für diese Offenbarung zutiefst dankbar.‹ – 1972 hatte Kardinal Wojtyla anlässlich der Seligprechung von Maximilian Kolbe gesagt: ›… An diesem Ort der äussersten Erniedrigung wollen wir den Sieg der Menschenwürde feiern.‹…«.

Von unseren verschiedenen Orten

St. Elisabeth

S.Claire-Irène und s.Maatje sind am 11. September(!) nach St.Elisabeth (Jerusalem) zurückgekehrt; ein paar Wochen später folgte ihen s.Mechthild. S.Claire-Irène sagte uns im Sommer: »Es bedeutet eine grosse Herausforderung für uns, ein Zeichen der Hoffnung und des Lebens zu bleiben. Alles, was wir tun können, ist, uns ganz einfach vor Gott zu halten und einzig aus seiner Barmherzigkeit zu leben. Wir können das teilen, was wir unter uns tagtäglich im Kleinen und sehr verletzlich zu leben versuchen: Versöhungen, Vergebung, Vertrauen, Neuanfänge. Um ein Ort zu sein, wo Gott sich der Welt mitteilen kann, müssen wir Christus in uns diese Weise des Glaubens und des schweigenden Mitleidens vertiefen lassen, müssen wir die Liebe in uns wachsen lassen, damit unser Reden wahrhaftig sei, und dem Licht erlauben, die Dunkelheiten zu durchbrechen, die uns umgeben. Wir sind Bettler zwischen Himmel und Erde, zwischen dem, was schon sichtbar und dem, was noch nicht da ist. Wir sind da, um den Schrei der Verwirrung der in so vielen aufsteigt, aufzunehmen, so z.B. den unserer jüdischen, doch kaum praktizierenden Nachbarin, –es könnte jedoch ebenso ein palästinensischer Freund sein– . Als sie mich sah, liess sie ihrer Angst freien Lauf: >Wo ist denn dein Gott? Wäre er da, liesse er all das Böse nicht geschehen…< Tastend, so gut wie
ich es vermag, beginne ich nach einer Antwort zu suchen, aber es kommt keine.So verstumme ich ohnmächtig. Ich werde immer schweigsamer und merke, dass ich gar keine Antwort geben muss, sondern einfach freundschaftlich da sein soll, solidarisch im Leid, ganz da sein, zuhören und mitleiden. In der nun einkehrenden Ruhe mache ich die umwerfende Erfahrung, dass wir nun auf einer anderen Ebene beisammen sind, tiefe Gemeinschaft im Wesentlichen haben, wo alle Worte überflüssig werden (…)«.

Algier

In Algier teilen s.Renée und s.Anne-Geneviève inmitten von viel Gewalt und Mutlosigkeit den oft schwierigen Alltag derer, die sie umgeben. Die Brüder, die gehofft hatten, nach Tibhirine zurückkehren zu können, sind weggezogen und hinterlassen eine grosse Leere. S.Renée schrieb uns: »Wie können wir in Gemeinschaft leben, im Annehmen eines echten Pluralismus, wo jeder respektiert und angenommen ist und zu einem gemeinsamen Ziel aufbricht? Und das sowohl in der Politik als auch in der Kirche und in den Familien – im Dialog mit dem Islam – ? Dies ist eine wesentliche Frage, die von vielen im Land gestellt wird und die das Land stellt.«

Chalencon

In Chalencon (Ardèche) hat für die Schwestern mit der Verstärkung durch s.Judith eine neue Etappe begonnen. Leben wächst heran: »Der kleine Same des Lebens,den wir hier in dieser etwas verlorenen Winkel der Erde ausstreuen, wirkt unscheinbar winzig angesichts der grossen Umwälzungen, die unsere Welt erlebt, jedoch sind wir überzeugt von der Tragweite selbst kleinster Schritte und Zeichen der Liebe, der Vergebung, der Hoffnung, die in unserer Reichweite sind.« Was den Empfang betrifft, werden die Retraite-Angebote vielfältiger und die Schwestern freuen sich, dass sie mit mehreren Pfarrern des Konsistoriums zusammenarbeiten können. Wir werden Umbauarbeiten ins Auge fassen müssen, um das Home de Grâce leiser und funktionsgerechter zu machen.

Sonnenhof

Im Sonnenhof war das Jahr von neuem Wechsel geprägt: s.Gabrielle hat aus Gesundheitsgründen nach Grandchamp zurückkommen und s.Thérèse mit s.Dorothea an ihrer Seite die Verantwortung für das Haus übernehmen müssen. S.Birgit hat s. Veronika abgelöst. Neun anstelle von acht Schwestern zu sein, verlangt viel Phantasie und eine grosse Verfügbarkeit. Die Mithilfe nahestehender Freundinnen bedeutet eine echte Unterstützung. Frau Drobot hat zu unserer grossen Freude dieses Jahr wieder in Zusammenarbeit mit s Olga den sehr gefragten Ikonenmalkurs geleitet.

Woudsend

In Woudsend in Holland, wo sich vor 20 Jahren Maria de Groot niedergelassen hat, und wo ein paar Jahre später s.Christianne zu ihr gestossen ist, geht die Arbeit mit Frauen – und gemischten Gruppen weiter und weitet sich aus. Ihre Zusammenarbeit erweist sich als fruchtbar für viele, die ein wenig am Rande der Kirche leben und auf diese Weise mit ihr in Verbindung bleiben.

Grandchamp

In Grandchamp wie an den anderen Orten spüren wir die tiefe Wirkung des Rufes zu Versöhnung und Einheit. Er trifft uns oft an den verwundbarsten Stellen. So haben wir zeitweise Mühe, unseren internen Erfordernissen gerecht zu werden, ganz zu schweigen von dem, was von aussen an Anfragen kommt! Dies erfordert von uns auf verschiedenen Ebenen eine grosse Aufmerksamkeit den anderen gegenüber und eine stets wachsende Solidarität, eine bessere »Zirkulation« zwischen unseren verschiedenen Orten. Neben dem regelmässigen Austausch mit den Schwestern hatten wir die Freude, einen treuen Freund des Sonnenhofs, Pfarrer P.Rüesch, für unsere gemeinsame Retraite (in deutscher Sprache!) vor Himmelfahrt zu gewinnen.

In der praktischen Arbeit hat uns eine Gruppe sehr verschiedener HelferInnen wirksam unterstützt, unter ihnen Adreas, ein junger Zivildienstleistender, der als Freiwilliger von Eirene für ein Jahr hier ist. All das hat es uns ermöglicht, einen grossen Gäste- und Gruppen-Empfang zu bewältigen und sogar unser Retraite-Angebot zu erweitern: Es gab eine Tagung der Memorisation des Wortes Gottes nach der Methode von und mit Bernard und Anne Frinking, die 2002 wiederkommen werden; eine Wanderretraite mit dem Pilger Henricus aus den Niederlanden; s.Christel hat achttägige ignatianische Exerzitien gegeben und an sieben Abenden einen geistlichen Weg im Alltag angeboten; damit und mit den »Gesprächsabenden in Grandchamp« nehmen wir ein wenig die Anliegen der Ortskirche auf. Im August haben Dr. Françoise Wilhelmi und s.Christianne zum 20. Mal die Retraitenwoche »Fasten und Beten« begleitet.

Ausgerechnet in der Hauptzeit des Empfangs, zwischen Ostern und November, war der Hof von Grandchamp ein grosser Bauplatz, denn überall im Weiler wurde der Boden aufgerissen und es wurden Gräben gezogen, da die Wasserleitungen erneuert werden mussten. Auch bei unseren Nachbarn gab es grosse Umbauarbeiten, und die Westfassade des Hauses Amandier wurde sehr schön restauriert.

In seiner Predigt hat Pfarrer Bühler der Trauer in der Welt gedacht; er hat auch die der Kommunität erwähnt: s Emmi hatte soeben ihre Mutter verloren und war mit s Siong nach Indonesien zu ihrer Familie geflogen. Sie konnten gemeinsam die Trauerzeremonien gemäss der Batak-Tradition begehen. Auch andere Schwestern hatten Todesfälle in ihren Familien, und uns alle schmerzt der Heimgang von Père Corbon (Libanon) und Maria-Teresa Porcile (Uruguay), beide leidenschaftlich um die Einheit bemüht; ebenso trauern wir um Suzy Gaillard, Esther Faez, Christel Schütte und Ulla Petersen vom O.E., Theo Ammann, Rina Geftman (Israel), Daniel Brandt, Samuel Basset, Frieda Bichsel und Claudine Hunkeler, unsere Nachbarin…

Im Licht der Gemeinschaft der Heiligen im Himmel wie auf Erden, inmitten unserer zerrissenen Welt, können wir die Verheissung eines neuen Himmels und einer neuen Erde besingen, wo »Gott alle Tränen von ihren Augen abwischen wird, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen.« (Offb 21,4). Eine Hoffnung, die, weit davon entfernt, uns der Wirklichkeit zu entreissen, die Augen fest auf den gerichtet sein lässt, der da ist und der da war und der da kommt, den Friedefürst!

Wir wünschen ihnen allen, die sie uns auf vielfältige Weise unterstützen, uns durch ihr Gebet und ihre Freundschaft tragen, ein gesegnetes Weihnachtsfest!

s Pierrette und ihre Schwestern

Communauté de Grandchamp
Grandchamp 4
CH-2015 Areuse
Tel. +41 32 842 24 92

CCP 20-2358-6

Schwestern von Grandchamp
Sonnenhof
CH-4460 Gelterkinden
Tel. +41 61 981 11 12

Konto 40-640-6