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Eine Hoffnung,
mitten in unserem Leben…
In einer Welt, die von Leiden, Ungerechtigkeiten und Gewalt aufgewühlt ist, hat das kleine Mädchen Hoffnung, wie Péguy es nannte, wunde Füße von all den Steinen auf dem Weg, manchmal sogar von Tränen verschleierte Augen. Und doch nimmt es uns Tag für Tag an der Hand und führt uns unwiderstehlich in die Zukunft hin, die Gott für uns bereitet: »den neuen Himmel und die neue Erde, wo die Gerechtigkeit wohnt«.
So warten wir… warten auf die Morgenröte dieses neuen Tages, wo sich der Gesang einer endlich versöhnten Menschheit erheben wird, im Licht des lebendigen Gottes. Warten… wie die Schwangere, die in sich die Hoffnung auf ein neues Leben trägt, dessen Zeichen sie schon wahrnimmt. Das Kind, das geboren werden soll, erhellt ihre Tage ihr Gesicht ist dadurch wie verwandelt , es mobilisiert ihr ganzes Sein in der Gegenwart, gibt ihrer ganzen Existenz eine Richtung.
Ebenso bereitet sich schon die Zukunft vor, die Gott uns verspricht. Die stille Gegenwart des Heiligen Geistes in der eigenen Tiefe verheisst neues Leben. An uns ist es zu lauschen, die leisen Töne in der Welt zu hören, wozu uns Marthe Westphal anlässlich des Tags der Danksagung am 9. Februar einlud. Wir müssen auf das Rauschen des Lebens hören, eines Lebens, das stärker ist als der Tod; es am Werk sehen in den vielen kleinen Gesten, die von Vergebung, Versöhnung, Solidarität und Teilen sprechen.
»In der Welt seid ihr in Bedrängnis, aber habt Mut, ich habe die Welt besiegt«. Jesus ist in der Hingabe seines Lebens bis auf den Grund des Bösen hinabgestiegen, und »er ist auferstanden, Christus, unsere Hoffnung« so glauben wir und trug dabei an seinem Leib die Male seines Leidens. Er ruft uns, heute wie gestern, ihm zu folgen und das neue Leben, das er uns anbietet, gemeinsam zu feiern und lebendig werden zu lassen. Es war im Sommer eine so große Freude, in diesem Licht die Profess von s. Isabelle und s. Sabine zu feiern, ein Zeichen der Treue Gottes, 50 Jahre nach den ersten Professfeiern.
Mit »dem Gott der Hoffnung…« unterwegs zu sein, das ist die Orientierung, die wir beim letzten Schwesternrat bekommen haben. Darin kommt eine zweifache Realität zum Ausdruck: Gott ist die Quelle unserer Hoffnung, er bleibt seinen Versprechen treu; auf seine Gegenwart können wir uns immer verlassen. Und er ist auch, und vielleicht vor allem, derjenige, der auf uns seine Hoffnung setzt, der jedes einzelne Leben, die ganze Welt, mit hoffnungsvollem Blick betrachtet, einem Blick, der von vielen Tränen gewaschen ist einem Blick, der das Leiden sieht, der die tiefe Sehnsucht erkennt und das Böse nicht nachträgt. Gott sieht uns im Werden, vertraut uns: Geheimnis einer grossen Liebe, welche die menschliche Freiheit absolut respektiert und in der Stille wartet und hofft.
Mit dem Gott der Hoffnung unterwegs sein, das bedeutet, sich auf diesen Blick auf uns und alle, denen wir begegnen, und auf die vielen Leiden in der Welt einzulassen. Es bedeutet, den auferstandenen Christus zu preisen, der mitten in unseren Dunkelheiten, Prüfungen und Gefängnissen zu uns kommt, um einen Weg zum Leben zu öffnen.
Der Schwesternrat war die Gelegenheit, gemeinsam danach zu fragen, wie unser Leben mit seinen Engagements ein Zeichen der Hoffnung in der Kirche und in der Welt von heute sein kann.
Mehrere Schwestern haben ihr Zeugnis eingebracht. Hier ein Echo:
»Unser einziges Mittel, um die neue Zeit vorzubereiten, ist, sie schon in uns vorzubereiten.« (Etty Hillesum, 20 Juli 1942)
Kann in unserer chaotischen Welt eine Berufung monastischer Art mit den drei traditionellen Gelübden ein Zeichen der Vorbereitung dieser neuen Zeit sein? Kann sie dem menschlichen Leben einen Sinn geben? Könnte sie im Alltag eines Lebens aus dem Gebet, eines Lebens in der Gemeinschaft und der Öffnung für die Welt eine Form tiefer Solidarität mit der Menschheit und der ganzen Schöpfung in ihren Geburtswehen sein? Eine Alternative, ja sogar eine Form des Widerstands gegen die Entmenschlichung der modernen Gesellschaft, wo der Mensch im Namen des technischen und ökonomischen Fortschritts als Objekt gesehen wird?
Das Leben in einer Gemeinschaft ist ein Schmelztiegel, ein Ort der Verwandlung, eine Einladung, immer menschlicher zu werden, unsere Herzen für die anderen, für ihre Freuden und ihre Leiden zu öffnen und in uns die Beziehungs- und Gemeinschaftsfähigkeit wachsen zu lassen. Der Weg ist mitunter schmerzhaft. Er erfordert eine tiefgreifende Umwandlung des Herzens, vom Egoismus zur Selbstentäusserung und zur Selbsthingabe. Und wenn die Gemeinschaft ein Ort des Teilens und der Vergebung, der Gegenseitigkeit und des Empfangens wird, dann keimt schon der Beginn der neuen Zeit.
Das Gelübde der Armut lädt uns zur Einfachheit ein, zu einem einfachen Lebensstil, zum Teilen der materiellen und spirituellen Güter. Es ist ein Weg der langsamen Verwandlung, wo wir nach und nach die Haltung des Besitzstrebens loslassen, um uns dem tiefen Sein zu nähern: es wagen, alles zu verlassen, um zu entdecken, dass wir den Anderen und die anderen brauchen, das ist das Gegenteil der Diktatur des Habens, des Konsums, des alles für sich selbst und »alles sofort«. Dann können sich unsere verkrampften Hände öffnen und unsere Gedanken auf das Verurteilen der anderen verzichten. Diese Öffnung des Herzens, die eine Form der Armut ist, wird so zum Raum des Teilens und der Gemeinschaft. Sie ist Befreiung und Weg der Hoffnung im Dienst des Friedens und der Gerechtigkeit.
Das Gelübde der Keuschheit lehrt uns, mit einem Herzen zu lieben, das nicht besitzen will, das gibt und sich hingibt. Das ist eine ständige große Arbeit an unseren Beziehungen. Eine einschliessende Liebe erlernen, heißt das nicht, die Liebe Gottes in sich wachsen zu lassen, unsere Herzen für seine absichtslose und allumfassende Liebe zu öffnen und sie mit unseren Schwestern und Brüdern zu leben?
Das Gelübde des Gehorsams möchte uns von unserem »allmächtigen Ich« befreien, von dem Bedürfnis zu dominieren und von der Versuchung der Macht. Der Gehorsam wird zum liebenden Hinhören im Innern einer Gemeinschaft; er ist ein Weg der Freiheit, ein Weg zu mehr Verbundenheit: vom einsamen Ich zum solidarischen Ich. Jesus ist bis zum Ende mit unserer leidenden Menschheit solidarisch geblieben und dem Liebeswillen seines Vaters gegenüber gehorsam gewesen, bis hin zum Kreuz. Von dort konnte die Kraft des Mitleidens, des neuen Lebens für die ganze Erde aufstrahlen. Sie ist das Licht der Hoffnung, das alle Nächte der Menschheit und der Welt erhellt.
Unsere Engagements sind eine Form des Widerstands gegen den Geist der Welt, wie er in den drei grundlegenden Versuchungen enthalten ist. Sie sind wie Bojen, Orientierungspunkte, die unser Leben auf Gott und in Gott ausrichten ein Ruf, der nicht nur den Ordensleuten vorbehalten ist! Er setzt sich in jeder Lebenssituation anders um. Es sind Samen der Hoffnung, weil Gott ja gesagt hat zu seiner geliebten Welt, weil er ja gesagt hat zu uns und weil der auferstandene Christus durch den Heiligen Geist in uns wohnt: der Einbruch der neuen Zeit.
»Die Hoffnung… im Alltag«
Wenn wir auf diese Monate zurückschauen, sind wir voller Staunen über so viele Spuren des Lichts und der Hoffnung in den kleinen und grossen Dingen des Lebens, manchmal mitten in unseren Fragen und Zweifeln… Das schöne Fest vom 9. Februar anlässlich des 50.Jubiläums der ersten Professfeiern! , zu Beginn unserer Probation, das wir in großer Einfachheit und tiefer Freude und zugleich unbeschwert gefeiert haben, hat auf das ganze Jahr ausgestrahlt. Wir haben mehrere »Sendungsworte« bekommen wie auch eine eindrückliche Rede von Hildegard Goss-Mayr mit dem Titel »Samen der Einheit und des Friedens in einer Welt in tiefgreifendem Wandel«. Unmittelbar nach dem Fest hatten wir drei Studientage mit Scheich Bentounès, Père Christian Delorme und Nadia Karmous über den Islam.
Probation und Schwesternrat sind wichtige Momente, wo wir viel erhalten in diesem Sommer durch die Begegnung mit Frère Francois, die Retraite mit Marc Donzé und unseren Austausch untereinander… Anschließend müssen wir wieder »hinabsteigen«, uns darin üben, das Empfangene in unseren Alltag zu integrieren, der manchmal große Anforderungen an uns stellt, der aber auch dafür sorgt, dass wir beweglich bleiben, wenn wir dem nur zustimmen. Es geht nicht immer alles ohne Spannungen und Konflikte ab, aber wie Hildegard sagte: »Nehmt sie an als Zeichen des Lebens und der Jugend!« Die Herausforderungen sind zahlreich, darunter die, das richtige Gleichgewicht zwischen Gebetsleben, Gemeinschaftsleben und Gästeempfang/Offenheit zu halten. Es ist auch nicht immer einfach, unsere Kräfte richtig auf die verschiedenen Orten aufzuteilen; das betrifft besonders Chalencon, wo es sich gezeigt hat, das wir etwas kürzer treten müssen, um zu sehen, wie wir diese Präsenz in der Ardèche, die uns am Herzen liegt, weiterführen können. Nach der Rückkehr von s. Laure, dann, im Mai, von s. Pascale, haben s. Lucie-Martine und s. Judith zu zweit einen eingeschränkten Gästeempfang bis zum Sommer ermöglicht. Seit dem Schwesternrat lassen wir nun das Home de Grace für ein Jahr »auf Sparflamme«, nach Möglichkeit mit einer Schwester, die im Haus die Kontinuität einer Gebetspräsenz sichert. Diese Zeit brauchen wir zur Klärung. Auch in Grandchamp, wo nun s. Christel von s. Hiltje die Verantwortung für den Alltag übernommen hat, bleiben wir gut in Bewegung: es gab Veränderungen in den Arbeitsbereichen, Renovierungsarbeiten in den Häusern (besonders in den Béatitudes, einen neuen Teppich in der Arche, den Erwerb des Hauses Les Fontaines gegenüber der Arche…).
Mit dem Gruppennoviziat neben dem Gruppenpostulat lag in diesem Jahr ein Schwerpunkt auf der Ausbildung und machte einige Anpassungen nötig. Dies war eine reiche und anregende Zeit für s. Hannah, s. Veronika, s. Ellis und s. Birgit und für uns alle! Sie endete Anfang Oktober mit einer Reise nach Bose. Das gesamte Noviziat hat von zahlreichen Beiträgen profitiert. Tagungen, die für alle offen waren, haben es vielen Schwestern ermöglicht, beispielsweise Frère Pierre-Yves über Pneumatologie zu hören, s. Lisa aus Bose über St. Basilius und Hildegard Goss-Mayr über die Gewaltfreiheit nach Evangelium.
Wenn uns einerseits der Schwung der Jüngeren mitreisst, ermutigt und manchmal auch drängt, so sind für uns der Mut, die Treue und das Gebet der Älteren s. Philomena, die gerade ihren 95. Geburtstag gefeiert hat, s. Albertine, s. Anne-Marie, s. Danièle, s. Laure, s. Ruth… ein Halt, voller Licht und Hoffnung. In ihren Kämpfen, in ihrer Zerbrechlichkeit schimmert das Wesentliche durch. Wir werden dadurch in unseren eigenen Prüfungen gestärkt: den gesundheitlichen Problemen bei einigen von uns, den Problemen bei unseren Angehörigen und Bekannten in nah und fern. Schmerzlich ist die Situation für unsere Schwestern in Algerien und im Heiligen Land, wo die Gewalt anscheinend nicht enden will und wo es ein armes Herz und eine tiefgreifende Umkehr der Sichtweise braucht, um in der Hoffnung zu bleiben. Im Herbst waren s. Vreni und nach ihr s. Françoise einige Wochen bei unseren Schwestern in St. Elisabeth, bis wir wieder eine dritte »ständige« Schwester für die Fraternität finden. Durch Eve-Evelyne sind wir von der Gewalt und den Leiden im Osten des Kongo konkreter betroffen.
Die Gruppe der jüngeren und weniger jungen Menschen aus 12 Ländern! , die unser Leben teilen, hat auf erstaunliche Weise einen Raum für Austausch und Gemeinschaft eröffnet, besonders mit Dina, der wir in Israel begegnet sind und die anderthalb Jahre mit uns gelebt hat. Sie haben uns tatkräftig geholfen, wie auch s. Ursula Barthelmey und die kleinen Brüder Jesu aus Freiburg.
Besuche und Begegnungen…
sind wie kleine Fenster zur Kirche und zur Welt, ein freundlicher Wink Gottes.
Wir haben uns sehr über eine Begegnung mit den kleinen Schwestern Jesu aus Biel während des Schwesternrats gefreut sie hatten gerade das 50-jährige Bestehen ihrer Fraternität gefeiert! Bei der Professfeier haben wir viele Freundinnen und Freunde wiedergesehen, darunter Colette und Paul Kessler, Nara… Es gab bereichernde Begegnungen, wie die mit der brasilianischen Theologin Ivone Gebara, mit Bärbel von Wartenberg- Potter, Bischöfin in der lutherischen Kirche in Norddeutschland, in Begleitung von Dr. Halbe; mit dem armenischen Bischof Mgr Adjenjan, und mit vielen anderen.
Bewegend war der Austausch mit Yvonne Dinde nach ihrer Rückkehr aus dem Kongo, wo sie im Auftrag von Médair, in der Region Ituri, der Heimat von Eve-Evelyne, gewesen war.
Ende letzten Jahres waren Lucette und Ebenezer anlässlich ihrer Sabbatzeit in der Schweiz und auch mehrmals bei uns. Es waren Retraitezeiten für sie, aber auch Zeiten des Teilens über ihren Dienst des Gebets und der Fürbitte in der Eglise Protestante Africaine in Kamerun und über ihre Sicht der kulturellen Unterschiede zwischen Afrika und Europa… Die Nachricht von Ebenezers Tod, am 15. Oktober, hat uns erschüttert… Als mutiger Zeuge hat er sich für sein Volk und seine Kirche hingegeben. Sein Glaube, sein Gebet, seine Freundschaft, seine prophetische Vision sind für uns Hoffnung und Kraft.
Der Gästeempfang lädt uns immer wieder ein, den Raum unseres Zeltes zu weiten und dies sehr konkret bei den Seminaren von Bethasda! Neben unseren vielen Gästen und Gruppen hatten wir die Freude, auch mehrere Seminare für Ordensleute aufzunehmen. Unter den vielen Retraiten erwähnen wir die Osterretraite mit Jean-Louis lEplattenier, unserem Seelsorger. Frère Pierre-Yves aus Taizé hielt die Pfingstretraite, Pfarrer Pierre-Yves Brandt die Retraite des DOE, an der auch zwei Männer aus Benin teilnahmen: Eusèbe Gnanhoui und Pfarrer Anatole Ohouko, die beide sehr engagiert sind im Retraitenkomitee der methodistischen Kirche des Benin. Im Sommer wurden Aline Lasserre, die Anfang November mit Evelyne Roulet eine Retraite in Benin gehalten hatte, Jacqueline de Dardel und Denis Petitpierre in den Dritt-Orden der Einheit aufgenommen. Elisabeth van Ketwich Verschuur wurde im Juni während der Retraite der niederländischen Gruppe und Sophie Vallelian-Biéler Ende September beim Arbeitstreffen aufgenommen! Reisen und Missionen
S. Irmtraud und s. Christel haben am internationalen Treffen von Church and Peace in Kroatien teilgenommen, s. Anne-Emmanuelle und s. Dorothea am ersten ökumenischen Kirchentag in Berlin; s. Christel war in Ungarn, in Kismaros, zur Einsegnung von s. Olgi als Äbtissin, s. Elisabeth in Whitby zum Treffen von CIR, s. Janny in Soucieux zur Retraite der Fraternität des Leidenden Gottesknechts; s. Françoise hat in Caux im Rahmen der Begegnungen zur »Agenda für die Versöhnung« gesprochen.
S. Regina hat Emmy bei ihrer Rückkehr nach Indonesien begleitet, wo nun ihr Lebensweg weitergeht; die starke Verbindung zu ihrer Familie bleibt. S. Siong konnte die Schwestern von Mamre in Madagaskar besuchen; innerhalb der Kirche FKJM, verwurzelt sich die Gemeinschaft durch einige Wachstumskrisen hindurch immer tiefer in ihrer Berufung zum Gebet und zum Teilen mit den Ärmsten. Seit einigen Jahren geht s. Christianne in großer Treue für zwei Wochen im November nach Überlingen in die Buchinger-Klinik, wo sie, auf Bitten von Françoise Wilhelmi-de Toledo, verschiedene Meditationen und Vorträge hält. S. Minke ist bei Kommunitäten weiterhin gefragt; sie hat u.a. an einem Podiumsgespräch in Mailand zum Thema »Spiritualität und Ökumene« mit Dom Louf und Mgr Khodre teilgenommen.
Pilgerwege und die Reise »Gedenken für den Frieden«
Unter allen Zeichen der Hoffnung hat uns eines besonders berührt: die im Mai von Emile Shoufani, einem israelischen Araber und Priester in Nazareth, organisierte die Reise »Gedenken für den Frieden« nach Auschwitz. Er rief seine jüdischen und arabischen Geschwister zu »einer gemeinsamen, zweckfreien und kühnen Geste auf, einem ersten Schritt auf dem Weg zu gegenseitigem Vertrauen…«. Juden, muslimische und christliche Araber und einige andere Personen sind seinem Ruf gefolgt. S. Minke konnte daran teilnehmen. Im März hatten auch s. Hélène, s. Hiltje und s. Dorothea, zusammen mit Gymnasiasten und ehemaligen Deportierten, einen Tag in Auschwitz verbringen können. Bewegende Stunden für alle Teilnehmenden, für unsere vier Schwestern. Hören wir s. Minke: »Auschwitz führt zum Engagement, oder es lässt einen in absolute Verzweiflung verfallen, wenn man nicht einfach fliehen will. Ja, wie kann man glauben? Wie kann man noch hoffen? Und die Liebe? Für mich hat Chagall mit seiner &Mac221;Weissen Kreuzigung&Mac220; einen Weg gezeigt: dieser gläubige Jude am Kreuz, mitten im Tohuwabohu von Angst, Verzweiflung und Schrecken seines Volkes. Dieser Jeschua, der sich, als er ganz verlassen war, ganz überlassen hat in seinem Ja bis zum Ende. Chagall hat zu seinen Füßen Lichter platziert, ein Licht, welches das Licht widerspiegelt, das aus einer anderen Welt kommt, wie eine Gewissheit. Es ist wie der Nullpunkt, wo alles endgültig aus zu sein scheint… doch gerade von dort erstrahlt das Licht, ein Same des Lebens, der Liebe, der Hoffnung wider alle Hoffnung, wie eine Quelle der Güte, der Menschlichkeit…«
Auf dem Sonnenhof…
»In großer Dankbarkeit, schreibt s. Thérèse, blicken wir auf das vergangene Jahr zurück. Die zahlreichen Gäste, die wir als Retraitenteilnehmerinnen, Einzelgäste oder als Mitglieder einer Gemeindegruppe empfangen haben, erneuern uns in unserer Hoffnung durch ihr Fragen und Suchen nach Gott, in dem sie Sinn und Mittelpunkt ihres Lebens finden, wie auch durch ihr Zeugnis gelebten Glaubens und ihr Engagement in der Welt. Im Teilen vom Gebet und im Austausch ihrer Erfahrungen sind wir wieder reich beschenkt worden.
In unserer Schwesterngruppe gab es einige Veränderungen: s. Elisabeth ist nach Grandchamp zurückgekehrt und dafür ist s. Gesine gleich nach ihrem Noviziatseintritt für einige Monate gekommen. Im Herbst ist s. Marie-Elisabeth zur Vorbereitung auf ihre Profess nach Grandchamp zurückgegangen, während s. Hannah und s. Birgit wieder bei uns sind, um s. Dorothea für Aufgaben im Büro und Empfang freizustellen.
Sehr bewegt hat uns der Heimgang von Pfarrer Jakob Frey, einem Mann der Kirche, des Gebets und der Offenheit. Seit 1966 hat er uns treu begleitet. Zusammen mit Marga, seiner Frau, hat er als erster Leiter dem geistlichen Zentrum Kappel zum Aufschwung verholfen (in der Aufbauphase haben dort auch zwei unserer Schwestern während einiger Monate mitgearbeitet).
Auch der Tod von Pfarrer Martin Cunz, der ebenfalls mehrere Retraiten auf dem Sonnenhof leitete, hat uns getroffen. Mit ihm verliert die Kirche einen grossen Theologen des jüdisch-christlichen Dialogs, einen &Mac221;Gerechten&Mac220;, wie seine jüdischen Freunde und Mitarbeiter ihn bezeichnet haben.
Mit den Landwirten in unserer Nachbarschaft haben wir in diesem Sommer das Los der Trockenheit geteilt es war für sie eine schwierige Zeit und uns ist wieder deutlich geworden, welch lebenswichtige und kostbare Gabe Wasser ist.
Wir freuen uns, im Jahresprogramm 2004 neben den 3-tägigen Retraiten mit den &Mac221;Exerzitien&Mac220; auch zwei längere Retraiten anbieten zu können. Mit Freude empfangen wir mehr und mehr Personen aus unserer Umgebung für einen Tag der Stille und des Gebets.«
In der Hoffnung der auferstehung…
In diesem Jahr sind mehrere Zeugen, die uns sehr geprägt haben, in die Ewigkeit eingegangen: Mgr Antoine Bloom, Père Voillaume, Dorothee Sölle, Père Oshida, Bruder Hans von Imshausen, Mère Tarcissius von St. André… auch zahlreiche Bekannte, Freundinnen und Freunde: Germaine Perrochon-Jan, Alain Perrot, Myriam Serment; Annerose Ackermann, Simone Rosset und Brigitte Ramseyer vom DOE; Nelly Mayor und M. Karlen von den Foyers dUnité; Nachbarn: Henri Aubert und Madame Gaschen, die jahrelang treu zu unseren Gebetszeiten kam; Pierre Dépraz, Victoria Schlaeppi S.U., Bruder Meinrad von den Écoles chrétiennes… Sie gehen uns voraus im Licht dessen, den wir erwarten.
Jeder und jedem von Ihnen möchten wir für all Ihre Zeichen der Freundschaft danken, für Ihre großzügige Unterstützung und Ihr Gebet. In Dankbarkeit mit Ihnen verbunden, wünschen Ihnen gesegnete Festtage. Sie mögen in uns die Hoffnung stärken auf den, der da kommt, den Friedefürsten!
Soeur Pierrette und ihre Schwestern
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