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Bei jedem Schritt
nimm dir die Zeit zu lieben
Am Anfang jedes neuen Tages erwartet uns Gott, um mit uns Wege der Hoffnung zu gehen: Vertrauen wagen, wo die Angst überhand zu nehmen droht die zunehmende Angst vor dem anderen, wegen seiner Herkunft, Kultur, und Religion ; Solidarität wagen; denen verzeihen, die uns verletzt haben; Leiden anhören; ermutigen…
Mit dem Gott der Hoffnung unterwegs sein…
Das hat unserem Alltag im vergangenen Jahr seine Ausrichtung gegeben, hat uns geholfen, voranzugehen und uns erneut auf den Weg zu machen, wenn wir, von einem Gefühl der Ohnmacht überwältigt, versucht waren, uns durch Ereignisse in Nah und Fern entmutigen zu lassen, welche das Leiden und Sterben so vieler Unschuldiger verursachen.
Gottes Hoffnung auf den Menschen hört trotz allem nicht auf. In einer Welt voller Gewalt erscheint er mit wehrlosem Antlitz und setzt auf uns sein Vertrauen. In nach menschlichem Ermessen ausweglosen Situationen taucht in uns mitunter die Frage auf: »Was erwartest du von mir?« Gott verlangt von uns nichts Aussergewöhnliches, sondern nur, dass wir Tag für Tag einen neuen Anfang machen und in Demut mit ihm gehen, ohne uns durch Misserfolge, Fehltritte, Schwächen oder Grenzen aufhalten zu lassen, die wir bei uns und anderen entdecken. Nichts festhalten und auf den Gedanken verzichten, die Dinge sollten anders sein oder Ereignisse hätten anders verlaufen können oder sollen. Einfach da sein in der Gegenwart und in das einwilligen, was ist. Mit einem freien und armen Herzen vorangehen und in der Offenheit für den ganz Anderen und für die anderen, für die ganze Schöpfung, den Sinn unserer Existenz finden. Komm und folge mir nach, auch in tiefen Wassern voran.
Gemeinsam voran streben wir auf das kommende Reich zu, in welchem Gott alles in allen sein wird. Was erwartet er anderes von uns, als dass wir das Geschenk einer Gemeinschaft annehmen, die uns immer angeboten ist? Was wäre ein gemeinsames Leben, wenn es uns nicht lehren würde, in Beziehung und Hingabe zu leben und in der Nachfolge Christi arm und oft armselig zu lieben! Und diese Hingabe ist nichts Grossartiges. Eine Kommunität ist nicht immer ein Hafen des Friedens. Verschiedenste Sensibilitäten und Temperamente treffen aufeinander, und das noch umso mehr, als es keine Ausweichmöglichkeiten gibt. Was wären wir ohne die Vergebung, die uns für ein ständig erneuertes Leben öffnet? Sie lässt etwas von der Liebe durchscheinen, die uns durch unser ganzes Leben trägt. Vorangehen »von Anfang zu Anfang und über endlose Neuanfänge« (Gregor von Nyssa), weil ein Anderer uns vertraut. Ich habe dich gesehen, sagt Jesus zu Nathanael. Blick einer unendlichen Güte, die uns leben lässt, uns als die annimmt, die wir wirklich sind, und uns einlädt, unseren Blick auf die anderen ständig zu erneuern: so wie sie sind, in ihrer Andersartigkeit, ihrer Schönheit, ihrer Grösse und Schwachheit, in ihrem Werden… Ein Blick voller Hoffnung.
Gemeinsam vorangehen, indem wir uns dabei von einem Anderem empfangen und uns in jedem Lebensabschnitt und in jedem Alter für eine Neuheit des Lebens öffnen. Jede Generation ist ein Geschenk an die anderen, an die ganze Gemeinschaft. Das müssen wir manchmal schmerzlich lernen. Das Leben bleibt bis zuletzt ein Vorwärtsgehen, bis hin zum letzten Neuanfang, bei dem wir in die Ewigkeit Gottes eintreten, so wie unsere Schwestern Anne-Marie und Philomena kurz nacheinander im vergangenen August. Es war eine Gnade, dass wir fast alle beieinander waren, um sie bis zum Schluss begleiten zu können. So stand unser kommunitäres Treffen von vornherein im Licht der Gemeinschaft der Heiligen des Himmels und der Erde.
Immer weiter vorwärtsgehen…, während wir uns an die Werke Gottes erinnern, an sein Eingreifen in die Geschichte, auch in die unserer Gemeinschaft. So gedachten wir der kleinen Anfänge, die im Keim enthalten waren, als vor 50 Jahren einige Schwestern nach Algerien und zur Eröffnung des Sonnenhofs in die deutsche Schweiz aufbrachen. Die Treue Gottes in all den Jahren und in allen Prüfungen auf dem Weg stärkt unser Vertrauen. Den Ruf Christi im Hören auf das Evangelium jeweils neu ins Heute übersetzen und vorwärts gehen, denn »die Liebe kann nur vorwärtsgehen«, wie uns Frère François in der Retraite beim Schwesternrat sagte. Christus geht uns voran, ruft uns und öffnet uns den Weg der Seligpreisungen: »Macht euch auf, ihr Armen des Herzens…«. Mögen wir wie der Heilige Antonius voller Elan darauf antworten:
Bereits sehr früh im Leben der Kommunität haben die Schwestern den Ruf empfangen, »den Raum ihres Zeltes zu weiten« und ihre Berufung zum Gebet, zum Dasein für Gott und für die Welt an verschiedenen Orten mutig zu leben.
»Denn wer dachte gering von der Zeit der kleinen Anfänge?«
Sacharja 4, 10
Sonnenhof
Im Frühjahr 1954 sind s. Marie-Madeleine und s. Anne-Béatrice von Grandchamp aus auf den Sonnenhof im Baselbiet gezogen, um in der deutschen Schweiz ein Haus der Stille zu eröffnen.
»Am 6. Juni sind viele uns nahestehende Personen, Pfarrerinnen und Pfarrer, Gäste, ehemalige Hilfen, Nachbarn und Handwerker unserer Einladung zur 50-Jahr-Feier gefolgt, um an diesem Trinitatis-Sonntag in unseren Lobpreis einzustimmen für die Treue Gottes und für alle in unserer Umgebung und weit darüber hinaus geknüpften Verbindungen, besonders auch in den Norden und Osten. Zwischen den beiden Häusern des Sonnenhofs bildete ein Zeltdach eine ›natürliche Kapelle‹ für die Feier der Eucharistie.
Pfarrer Georg Vischer, Leiter vieler Sonnenhof-Retraiten, hat als Festtags-Evangelium für seine Predigt Mt. 28, 1620 ausgewählt. In seinem Schlusswort erinnerte er an Jesu Versprechen, bis zum Ende der Welt bei uns zu sein, und fragte: ›Was bedeutet dieses Wort für den Auftrag des Sonnenhofs? Alles beginnt beim Hören. Der Sonnenhof ist ein Ort, an dem man die Stille sucht, um zu hören. Wo Worte und Gedanken zum Schweigen kommen, werden wir befähigt, Gottes Wort zu hören. Unser Loben erwächst aus diesem Hören. Wir antworten auf die Schönheit des Wortes Gottes mit der Schönheit unseres Gebetes und Lobpreises. Wichtig bleibt, das Wort treu zu bewahren und in die Tat umzusetzen, um die empfangene Gabe mit anderen zu teilen. Denn sie ist nicht unser Eigentum, sondern ein Geschenk an alle Völker.‹
Acht Tage später fand das Fest mit einem ökumenischen Gottesdienst für alle drei Gemeinden des Dorfes seine Fortsetzung. Viele der reformierten, katholischen und methodistischen Gemeindeglieder entdeckten mit Freude das Haus. Sie sagten: ›Wir hören oft eure Glocke läuten, doch es ist noch viel schöner, jetzt mit euch hier zu sein!‹
Ja, durch dieses Jubiläum haben sich die Verbindungen mit der Kirche, den Dorfgemeinden und vielen anderen vertieft und gefestigt. So wollen wir auch weiterhin darauf hören, was Gott für dieses Haus will. Und wir sind gewiss, dass Christus alle Tage bei uns ist, bis ans Ende der Welt.«
Algier
1954 gab es einen weiteren Aufbruch: den von s. Marguerite und s. Philomena nach Algier. Seither leben Schwestern in Algerien eine eher verborgene Präsenz bei den Ärmsten, deren treue Freundschaft uns überwältigt. Zwei Schwestern leben noch immer dort.
»Seit mehr als 20 Jahren gehören wir zu der christlich-muslimischen Begegnungsgruppe Ribat es-salam, dem ›Friedensband‹ (s. Eph. 4), das jedem dazu hilft, die Wahrheit des eigenen Glaubens in der Offenheit für den anderen zu leben. Wir haben jährlich zwei Begegnungen und leben jeweils ein Jahr lang mit einem gemeinsamen Thema aus der einen oder der anderen Tradition. Zusammen sind wir auf der Suche nach Gott und entdecken mit Freude, wie der Heilige Geist am Werk ist und uns in gegenseitigem Respekt gemeinsam auf Gott hin wachsen lässt. Als gleichwertige PartnerInnen suchen wir nach Gott, der sich mit jedem Menschen verbündet und der will, dass sich zwischen allen Bande des Friedens und der Gemeinschaft knüpfen.
Zwei Punkte unserer gemeinsamen Satzung sind für uns in den schwierigen Zeiten, die das Land durchmacht, feste Leitlinien:
- In dieser Zeit der Gewalt, die uns alle betrifft, wollen wir die Haltung des Gottes der Zärtlichkeit und der Barmherzigkeit annehmen, der bei allen Leidenden ist.
- Wir wollen in unseren alltäglichen Beziehungen offen Partei ergreifen für Liebe, Vergebung und Gemeinschaft und gegen Hass, Rache und Gewalt.
In Algerien versteht sich die Kirche, die ›im Hause des Islam zu Gast‹ ist, eher christlich als konfessionell und hat ein offenes Ohr für die geistliche Suche vieler junger und weniger junger Menschen, die sich mit ihrem Glauben auseinandersetzen und nach neuen Wegen suchen.
So sind wir täglich Zeugen der Gabe Gottes, die es mit einem armen Herzen und in geduldiger Hoffnung anzunehmen gilt: des Friedens, der allen das Leben ermöglicht.«
s. Renée und s. Anne-Geneviève
St. Elisabeth
Nach und nach folgten weitere Aufbrüche in verschiedene Länder und Wirkungskreise und für unterschiedliche Dauer. S. Jacoba hat sich 1957 in Israel niedergelassen. Seit 1973 leben Schwestern in St. Elisabeth bei Jerusalem einem Ort, der für unsere Berufung zum Gebet und zur Versöhnung von besonderer Bedeutung ist.
»In der gegenwärtigen Situation in Nahost, die so verworren und entmenschlichend ist und so sehr von Gewalt geprägt und wo jeden Tag die Mauer des Hasses ein Stück höher wächst, wie können wir da auf die Hoffnung Gottes antworten?
Einfach da sein und versuchen, unter uns und mit den anderen Vergebung und Versöhnung zu leben. Uns nicht von Ohnmacht oder Resignation lähmen lassen. Jeden Tag neu beginnen und uns dabei an den zahlreichen kleinen Hoffnungszeichen festhalten.
›Bleibe niemals stehen. Laufe in den Spuren Christi. Er führt dich auf einen Weg des Lichts.‹ (Regel von Taizé).
Wir haben das grosse Privileg des gemeinsamen Gebets, das uns in Lob und Fürbitte um das Wort Gottes versammelt und eint. Da stehen wir mit leeren und offenen Händen vor Gott und können ihm alles Leid und alle Schreie, alles, was wir sehen, hören und fühlen, anvertrauen. Wir können den Gekreuzigten betrachten, an seinen Sieg über das Böse glauben und auf den Tröster, den Heiligen Geist, vertrauen. Einfach da sein, das heisst:
- Ein offenes Ohr haben für alle, die von ihrem Entsetzen und ihrer Mutlosigkeit sprechen.
- Ein mitfühlendes Herz für den israelischen Arzt haben, der Sabbat für Sabbat mit einem Stab von Israelis und Palästinensern in die Dörfer um Ramallah geht, um die eingeschlossene palästinensische Bevölkerung zu versorgen.
- Unseren Freunden zur Seite stehen, die sich Woche für Woche mutig am Checkpoint Watch beteiligen; offen sein für ihre Erfahrungen, ihr Leiden, ihre Fragen und mitunter ihre Entmutigung.
- Einen Rabbiner (von der Gruppe ›Rabbiner für die Menschenrechte‹) in ein Beduinenlager begleiten, das immer wieder verlegt wurde und sehr arm ist und so ungünstig liegt, dass die Herden nicht auf die Weide gebracht werden können. Dieser Rabbiner versucht, im Lager ein Sozial- und Kulturzentrum, vor allem für Frauen und Kinder, einzurichten. Die Würde dieser Menschen, ihr warmherziger Empfang und die Freude der Kinder bewegen uns zutiefst.
- Den Leiter und die Arbeit des Zentrums für Konfliktlösung und Versöhnung in Bethlehem unterstützen, der ein ganzes Programm für die Erziehung zur Gewaltfreiheit in Gang gebracht hat.
Freundschaft ist nie einseitig, sondern immer ein Geben und Nehmen. Und so wird sie zu einer Quelle des Lebens und der Freude, der Freude der Seligpreisungen. Sie macht uns fähig zur Hoffnung wider alle Hoffnung.«
S. Françoise ist seit Ende September für einige Monate bei s. Hiltje und s. Claire-Irène, damit eine Zeit lang s. Maatje wieder in Grandchamp sein kann.
Die Präsenz
der Schwestern in Algier, in St. Elisabeth, im Sonnenhof, in Woudsend, wo s. Christianne mit Maria de Groot Gruppen empfängt, erweitert den Horizont der ganzen Kommunität.
Wir bedauern es deshalb umso mehr, dass wir Chalencon nicht weiterführen können. Vor einem Jahr haben wir das Home de Grace »auf Sparflamme« gesetzt, um uns darüber klar zu werden, wie es weiter geht. So weit es uns möglich war, haben wir eine Gebetspräsenz aufrechterhalten und hoffen, sie noch bis Ostern 2005 weiterführen zu können. Wir mussten jedoch nach und nach einsehen, dass unsere Kräfte begrenzt sind. Es fällt uns nicht leicht, die Ardèche zu verlassen und die Erwartungen vieler Menschen zu enttäuschen. Doch wir wissen die Zukunft in Gottes Händen, Er wird den Weg zeigen.
In der Ferne
Die momentanenen Einschränkungen ermöglichen uns andererseits hier und da eine intensive Teilnahme am Leben… in der Ferne:
S. Lauranne konnte im Januar den Pilgerweg der Fraternität des Leidenden Gottesknechts in Aparecida in Brasilien miterleben, »das Fest der Armen und Leidenden«.
S. Hélène und eine katholische Schwester haben eine Woche lang in Brüssel das tägliche Gebet in der Chapelle de la Résurrection übernommen. Schwestern von EPHREM wechseln sich in dieser Kapelle ökumenischer Berufung für je eine Woche im Monat ab, um mitten im Viertel des Europa-Parlaments zu beten und Menschen zu empfangen.
Die etwas ruhigere, wenn auch nach wie vor recht instabile Lage im Kongo hat es s. Eve-Evelyne gestattet, zu einem längeren Aufenthalt in ihre Heimat, die Region der grossen Seen, zu fahren und ihre Familie und Freunde nach zwei und halb Jahren Abwesenheit wiederzusehen.
S. Siong konnte mit ihrer Zwillingsschwester Twie nach Surinam zurückkehren, wo die ganze Familie vor gut 40 Jahren Aufnahme gefunden hatte, als sie Indonesien verliess!
In Grandchamp
Es ist für uns immer eine grosses Geschenk, Schwestern aus anderen Gemeinschaften und Kulturen empfangen zu können: eine Erfahrung unserer Einheit in Gott und die Begegnung mit der Realität, die die andere mitbringt. Wir haben das dieses Jahr intensiv erlebt mit den Kleinen Schwestern Jesu, Kl. Schw. Angéline aus Goma (Kongo), Kl. Schw. Gabrielle Joseph aus Touggourt (Algerien), Kl. Schw. Lai Fong (Hongkong), und mit s. Mary-Anne und s. Faith aus der evangelischen Kommunität Bafut (Kamerun) und s. Joséphine aus Mamre (Madagaskar). Diese nimmt gemeinsam mit s. Lauranne, s. Gesine und s. Eve-Evelyne bis April 2005 am Gruppennoviziat teil.
Die Gruppe der »Hilfen« ist uns nicht nur eine echte Unterstützung in unserer Arbeit, sondern darüber hinaus auch eine Bereicherung durch die reiche Vielfalt der Kulturen, in diesem Jahr ganz besonders aus Asien! Einer jeden und einem jeden von ihnen möchten wir für ihre Gaben und Grosszügigkeit herzlich danken!
Ökumenische Ereignisse und Begegnungen
Ökumenische Ereignisse und Begegnungen ermöglichen Nachdenken und Austausch in Bezug auf unsere Berufung zu Einheit und Versöhnung:
Ein wichtiges ökumenisches Ereignis war die Einweihung der Kirche des neuen Benediktinerklosters vom Heiligen Kreuz in Rostrevor, zu der s. Pierrette und s. Minke in der Woche des Gebets für die Einheit in Nordirland waren. Frère Mark Ephrem und seine Brüder sind dort durch ihre Berufung zur Versöhnung ein wichtiges Zeichen der Hoffnung.
In Hamburg hat s. Michèle die Retraite für die Schwestern der Cella des Ordo Pacis anlässlich ihres letzten Kapitels geleitet: ein Wendepunkt für den ganzen Ordo Pacis. Für jede begann ein neuer Abschnitt, eine Zeit der Klärung, die s. Waltraut bei uns verbringen möchte.
S. Minke, s. Siong und s. Dorothea waren anlässlich des grossen Dankfestes in Erinnerung an die ersten Engagements vor 50 Jahren bei den Schwestern und Brüdern von Imshausen, mit denen wir seit den Anfängen unserer Gemeinschaften eine wahre Visitatio leben.
Von den vielen Begegnungen seien hier nur folgende genannt :
Die Teilnahme von s. Pierrette und s. Regina beim Service des Contemplatives (SDC) in der französischen Schweiz, von s. Anneke bei KAIRE in Rumänien, von s. Minke bei EIIR im Kloster Valamo in Finnland und an der Tagung über Thomas Merton in Bose.
Der Alltag in Grandchamp…
mit unserem Gebetsleben, unserer Arbeit, unseren Beziehungen ist ein Ort täglichen Neuanfangs. Unser Schwesternrat im Winter war geprägt von der Profess von s. Marie-Elisabeth, vom Besuch von Mgr. Teissier, dem Erzbischof von Algier, dem Oberhirten einer für den Dialog mit dem Islam offenen Kirche, und durch die Anwesenheit von Julia, unserer Schwester aus Guatemala. An unseren Begegnungstagen im Sommer konnten wir Michel Bollag, den jüdischen Mitdirektor des Zürcher Lehrhauses hören, sowie Théo Buss, der gerade aus Accra zurückgekehrt war und uns ganz frische Eindrücke von der Generalversammlung des Reformierten Weltbunds mitbrachte. An zwei Tagen haben uns Barbara und Eberhard Eberspächer mit grossem Feingefühl in unseren Begegnungen zwischen den verschiedenen Generationen begleitet.
Anfänge… im Noviziat mit dem Eintritt von s. Miriam im Frühjahr und von s. Martine kurz nach dem Heimgang unserer Schwestern Anne-Marie und Philomena. Die Jüngsten profitieren weiterhin von Austausch, Freudschaft und Gemeinschaft im intermonastischen Bibelkurs. Die Beiträge von Frère Pierre-Yves aus Taizé und s. Lisa aus Bose und der von Cathy Clifford über die Ökumene waren begeisternd und nicht nur dem Noviziat vorbehalten!
Der Gästeempfang fordert uns, vor allem jedoch bereichert er uns. Einzelne und Gruppen verschiedenster Horizonte waren zu Gast. Die Ikonenretraite unter der Leitung von Madame Drobot und s. Olga war ein Segen für die Teilnehmenden und die Kommunität. Drei Schwestern von St. André waren bei uns, bevor sie zur Vorbereitung des Europäischen Jugendtreffens von Taizé nach Lissabon gingen. Mit den Schwestern von El Roi hatten wir einen guten Austausch über ihre Berufung zum Gebet und Gästeempfang mitten in der Stadt Basel. Für einige Tage war ein Team vom holländischen Fernsehen zu Interviews mit s. Minke bei uns.
Zur Freude vieler wurden die Süd-Fassade der Arche und das Jubilé restauriert.
Eine besondere Gemeinschaft verbindet uns mit unserer geistlichen Familie: der Dritt-Orden der Einheit (D.O.E.), der als solcher vor 50 Jahren aus der Grande Communauté entstanden ist, welche die Kommunität umgab, hat neue Mitglieder aufgenommen: Esther Weibel, Claire-Lise Desbaillet, Martine Berazategui und Daisy Sieber. Eine intensive Zeit verbrachte Lucette, ebenfalls Mitglied des D.O.E, vor ihrem Aufbruch nach Ruanda bei uns. Die Postulanten in Benin gehen weiter ihren Weg. Timothée Mikpedo konnte mit seinem Bruder Richard an der Retraite und später am Arbeitstreffen teilnehmen, und David Dossoumi war zum Colloque da. Pfarrer Jean-Louis l’Eplattenier und s. Catherine waren im November in Benin zu zwei Retraiten und zur Klärung vor Ort im Hinblick auf künftige Engagements. Pfarrer Daniel Bourguet hat hier die Retraite für die Servantes de l’Unité (Dienerinnen der Einheit, S. U.) geleitet. Bei ihrer Tagung im Sommer mit dem Thema »Der Tanz des Gehorsams in Johannes 17« gedachten sie des 40. Jahrestags ihrer ersten Engagements. Seit einigen Jahren ermöglichen kleine gemischte Gesprächsgruppen (S. U. und Schwestern) eine wirkliche Begegnung auf der Ebene der Berufung.
In Gottes Ewigkeit… Dankbar und bewegt denken wir an die vielen Menschen, die uns nahestanden und uns in diesem Jahr verlassen haben: Anne-Christine aus den Niederlanden, die für uns in den Jahren, in denen sie in der Kommunität war, Eingangsliturgien, Antwortgesänge und Hymnen vertont hat, durch die sie uns sehr präsent bleibt; Frère Clément aus Taizé, der den Empfang auf dem Hügel mit seiner Grosszügigkeit und seiner Freude stark geprägt hat; Mère Hortense, 1980 eine der Gründerinnen des SDC; Katharina van Drimmelen, S. U. aus den Niederlanden, Monique Blanc aus Algerien, Frau Popesco, Pfarrer Peter Rudolf, Pfarrer Konrad Dieterich…
Wir sind äusserst dankbar für all Ihre Zeichen der Freundschaft, Ihr Gebet, Ihre Briefe und Ihre grosszügige Unterstützung anlässlich des Abschieds von unseren Schwestern Anne-Marie und Philomena. Seien Sie an dieser Stelle von Herzen dafür bedankt!
In diesem neuen Advent, der unseren Blick auf die Vollendung der Zeit und einen neuen Anfang richtet, und im Licht der Gemeinschaft der Heiligen, möge uns die Gnade zuteil werden, für die Freude Gottes geboren und wiedergeboren zu werden. Wir wünschen Ihnen gesegnete Weihnachten und den Frieden des Immanuel!
Soeur Pierrette und ihre Schwestern
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