Brief aus Grandchamp 2009

Nachfolge










   „Was sucht ihr?“  Joh 1,38

    Die ersten Worte Jesu im Johannesevangelium! Eine Frage, zuvor ein Blick auf zwei Jünger von Johannes dem Täufer, die ihm stillschweigend folgen. „Was sucht ihr?“ Sie fragen schüchtern: „Rabbi, wo wohnst du?“ – „Kommt und seht“, sagt Jesus zu ihnen. Eine Einladung, die zum Abenteuer ihres ganzen Lebens werden wird.

    „Was sucht ihr?“ Diese einfachen Worte treffen jede und jeden von uns bei der Suche nach dem Sinn unseres Lebens, im innersten Sehnen des Herzens. „Was suchst du?“ Die Frage reizt und vertieft unsere Sehnsucht. Sie wendet uns hin zu einem Antlitz, zum Blick Jesu, der auf uns ruht wie auf Nathanael - „Ich habe dich gesehen“ - und der uns auf den Weg gebracht hat.

    „Was sucht ihr?“ Diese Frage durchzog das Thema, das wir für unseren Schwesternrat und als Orientierung fürs ganze Jahr ausgesucht hatten:
„JüngerIn sein, JüngerIn werden“. Sie brachte uns zurück zum Ruf Christi in unserem Leben, um für ihn zu danken und in uns nachhallen zu lassen, was es heisst, in der heutigen Welt JüngerIn zu sein. Auch wenn wir es schon sind, werden wir doch nie damit fertig sein, es zu werden. Wir gehen immer weiter von Neubeginn zu Neubeginn.

    Ja, wir werden nur Jüngerinnen und Jünger, wenn wir Tag für Tag mit Christus unterwegs sind. Die Nachfolge öffnet uns – gestern wie heute – fürs Unerwartete und bewahrt uns nicht vor Prüfungen. Das Verhalten Jesu überrascht die ersten JüngerInnen oft und bringt ihre Sicht- und Denkweise durcheinander. Sie müssen akzeptieren, dass sie von den Ereignissen überholt werden, dass sie mit ihrer menschlichen Armut und mit Angst konfrontiert werden, dass ihr Glaube auf die Probe gestellt wird - bis dahin, dass sie nicht mehr verstehen, wohin er sie führt. Und dennoch müssen sie weitergehen.

    Für uns ebenso wie für sie geht es darum, bei Jesus zu bleiben, ihm zuzuhören und zu sehen, wie er lebt: wie er sich in die Einsamkeit zurückzieht, wie er den Armen, den Kranken, den Ausgeschlossenen entgegengeht und besonders die Kinder aufnimmt; wir sollen ihn sehen, wenn er Unverständnis, Zurückweisung und Leiden erfährt ... JüngerIn werden heisst, von Christus zu lernen, der „sanft und von Herzen demütig“ sich nie aufdrängt und niemanden verurteilt. Wir können es lernen, uns aus seiner Hand zu empfangen, wie er sich vom Vater empfing, können lernen, durch den Heiligen Geist unser Leben nach dem Leben Jesu gestalten zu lassen und uns in seinen barmherzigen Blick, seine Gesten, sein Schweigen hinein nehmen zu lassen.

    Mit Christus unterwegs sein bedeutet immer, das Geschenk einer Gemeinschaft und einer Liebe zu empfangen, die uns erwartet, die nicht am Bösen festhält und bei jedem Schritt Erneuerung ermöglicht. „Liebst du mich?“ Dies ist die letzte Frage des Auferstandenen an Petrus am Ufer des Sees Genezaret, wo alles angefangen hat. Was für ein Weg für den aufbrausenden und grossherzigen Jünger, der aber  – wie die anderen – oft nicht die Einstellung, die Vorhaben und den wahren Auftrag Jesu verstand. Nur durch die schmerzliche Erfahrung seiner Schwäche hindurch, durch Verleugnung und Scheitern kann er im Blick des Auferstandenen wiedergeboren werden: „Liebst du mich?“ Es ist ein Blick unendlicher Güte, der Petrus in seinem Innersten trifft und den verborgenen Drang seines Herzens befreit. „Herr, du weisst alles. Du weisst, dass ich dich liebhabe.“ Da hört er den Ruf neu, der ihn weit über sich hinaus zieht, bis zur Hingabe seines Lebens: „Du, folge mir nach.“

    Ein Ruf, immer neu, in jeder Zeit des Lebens. Der Auferstandene ist da und richtet uns unermüdlich auf durch die Kraft des Heiligen Geistes. Vor allem dann, wenn die Versuchung auftaucht, das Evangelium allein auf unsere menschlichen Möglichkeiten zu reduzieren. Er trägt uns in den unvermeidlichen Krisen.

    Wie aber können wir uns darin üben, unseren Alltag, die heutige Welt mit ihren Herausforderungen und die Kirche, die oft in Frage gestellt wird, mit den Augen des Glaubens zu sehen? Gott ist in allem am Werk. In diesem Vertrauen wollen wir von ihm die Fragen, die uns beschäftigen, erhellen lassen, zum Beispiel angesichts des zunehmenden Alters und der nachlassenden Kräfte in den meisten Kommunitäten, während die Herausforderungen immer grösser werden. Was erwartet er von uns? Wie viele andere müssen wir heute die Realität so annehmen, wie sie ist, mit allen Unwägbarkeiten, aber ohne der Versuchung nachzugeben, die Zukunft ängstlich organisieren zu wollen. Wir müssen es akzeptieren, mit offenen Fragen unterwegs zu sein, ohne zu wissen, wohin wir gehen. Dieses Einverständnis setzt Kräfte frei und regt die Kreativität an, unseren Alltag zu vereinfachen und uns anderen Formen des Teilens und der Zusammenarbeit zu öffnen. Gott erwartet uns im Heute; da wo wir es lernen, unser Leben hinzugeben und zu lieben, um miteinander ein – wenn auch geringes – Zeichen jener Liebe zu sein, mit der wir geliebt werden, ein Zeichen einer Gemeinschaft, die offen ist für alle. „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger, meine Jüngerinnen seid: wenn ihr einander liebt.“ (Joh 13,35)

    Was suchen wir also anderes, als dies: gemeinsam dem Auferstandenen nachfolgen, das wenige, das wir haben, das wir sind, zur Verfügung stellen, im Vertrauen darauf, dass ein Anderer am Werk ist und dass dieses wenige genügt. Unsere Aufgabe ist es, mit vielen anderen, bekannten und unbekannten, aus nah und fern, die mitunter in ihrem Engagement für Gerechtigkeit und Frieden an exponierter Stelle sind, vorwärts zu gehen, einander durch Gebet und Teilen zu unterstützen und uns vom Atem der Seligpreisungen durchdringen zu lassen:

    DIE FREUDE,     die die Welt so dringend braucht
        DIE EINFACHHEIT,     die das Leben leicht macht
            DIE BARMHERZIGKEIT,    die das Herz weit werden lässt

                                Sr. Pierrette

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    Der Brief aus Grandchamp hat dieses Mal ein etwas anderes Gesicht. Wir stellen Ihnen vier Berichte und Zeugnisse vor: von Sr. Regina über ihre Reise in den Kongo, von Renaud und Sang Wha, die eine Weile als VolontärInnen bei uns waren, und von Sr. Françoise über das schöne, strahlende Fest des Interreligiösen Dialogs von Neuchâtel: kleine Fenster zum reichen Erleben dieses Jahres ...


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    Reise nach Nord-Kivu

    Dass wir Schwestern aus anderen Kulturen aufnehmen, lädt dazu ein, früher oder später auch ihr Land zu entdecken. Sr. Regina, die Verantwortliche für die neuen Schwestern, hat im Frühjahr den Kongo besucht und mit Sr. Mariane und ihrer Familie dort in der Region von Nord-Kivu zehn intensive Tage erlebt ...

    Am Ende einer langen Reise lande ich in Butembo in der Demokratischen Republik Kongo. Am Flughafen fallen gleich die militärischen Gebäude auf, die daran erinnern, dass sich dieses Land immer noch im Kriegszustand befindet, in einem Krieg, der einem Völkermord gleicht, besonders in der Region Nord-Kivu. Während meines ganzen Aufenthalts begegne ich der Schönheit, der Fruchtbarkeit sowie dem unendlichen Leid dieses verwüsteten und ausgebeuteten Landes.
    Sr. Mariane, ihre Familienangehörigen - ein Onkel, Pfarrer, ist extra aus Goma angereist, Schwester Emmanuele M’Bake, Verantwortliche der Oblates de l‘Assomption, Eve-Evelyne, ihre Schwester Jeanne ... alle sind sie da, um mich zu begrüssen. Der Empfang ist warmherzig und voller Freude. Diese Erfahrung machen wir immer wieder in diesen zehn Tagen. Auch bei der Mutter und den Geschwistern von Eve-Evelyne wurden wir grosszügig empfangen.
    Ein Freund von Sr. Mariane, Vater von 9 Kindern, der sich auch um die 3 Kinder seines Bruders kümmert, sagt zu mir: „Gott segnet die Frauen im Kongo mit vielen Kindern.“ Viele Familien nehmen bei sich noch andere Kinder auf, um ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen. Ich habe darüber gestaunt. „Das ist doch nichts Besonderes, Schwester, das ist einfach die afrikanische Solidarität“, sagt die Schwester von Sr. Mariane, die mehrere junge Leute bei sich aufgenommen hat. Bei ihrer Mutter leben ebenfalls 3 junge Mädchen, die noch in der Ausbildung sind.
    Jeden Morgen und Abend hört man Trommeln und Loblieder in den Häusern; man könnte fast sagen, dass der Kongo ein grosses Kloster ist! Wir nahmen an einem sehr lebhaften, schwungvollen Gottesdienst teil. Ein Prediger spricht von der Wichtigkeit des Gebens: „Nur im Geben empfängt man etwas, das ist ein geistliches Gesetz.“ Was für eine Lektion: Geben ohne Berechnung, selbst wenn man nicht genug für sein eigenes Haus hat. Immer wieder musste ich an die arme Witwe aus dem Evangelium denken, die von ihrem Mangel abgibt.
    Wir trafen uns mit Pfarrern und Kirchenältesten, um über das monastische Leben in den Traditionen der Reformation zu sprechen. Es gibt Frauen in der Baptistischen Kirche im Kongo, die sich zu einem Gebetsleben in Gemeinschaft berufen fühlen und ernsthaft auf der Suche sind.
    Ein unvergesslicher Ausflug führte uns in ein grosses Gebiet mit Rinder- und Schafherden, oberhalb von Butembo. „Man muss nur pflanzen, und dann wächst alles allein“, sagt uns der Besitzer. Die Schönheit der Hügel, der Reichtum des Bodens, die Bananenstauden lassen fast vergessen, dass dieses Land von unschuldigem Blut getränkt ist. Hier kamen abends die Rebellen, um die Hütten der Kleinbauern anzuzünden, das wenige, das sie besassen, zu rauben und die Kinder zwischen 8 und 12 Jahren zu entführen. Heute versucht man, die KindersoldatInnen – Jungen und Mädchen -  wieder zu integrieren und in die Schule zu schicken. Ein junger Kongolese, der für eine NGO arbeitet, sagte uns, dies sei eine gewaltige Arbeit, die in den Augen mancher EuropäerInnen sinnlos sei, da man keine Ergebnisse sieht; sehr oft holen die Rebellen die Kinder zurück. Für die Menschen, die sich dieser Arbeit verschrieben haben, ist sie ein schlichter Akt der Menschlichkeit. Die Familien und die Dörfer wollen diese Kinder nicht mehr oder haben sogar Angst vor ihnen, weil sie unter Einwirkung von Drogen unglaubliche Gewalttätigkeiten erlitten und begangen haben.
    Der andere Ausflug führte nach Ouicha, ca. 80 km von Butembo entfernt, zu den Kleinen Schwestern Jesu. Kolonnen von Männern und Frauen tragen schwere Lasten; sie wagen es wieder, entlang der Strassen ihre Waren zu verkaufen. Die Fraternität der Kleinen Schwestern war früher am Rande eines Waldes, in dem Pygmäen wohnten; heute befindet sich dort ein aufstrebendes Dorf. Ihre pygmäischen Freunde, die sich in den Wald zurückgezogen haben, kommen immer wieder zu Besuch.
    Während Sr. Mariane und ich über den riesigen Urwald und die Grossen Seen zurück in die Schweiz fliegen, werfe ich einen letzten Blick auf dieses so reiche Land, das so viele Begehrlichkeiten auf sich zieht.
    Diese Reise ist eine tiefe Erfahrung, durch die sich mein Herz ganz neu für die Weite der Welt und die Realität im Kongo geöffnet hat, die ja auch ganz konkret in unserer Kommunität lebt, durch die Anwesenheit von
Sr. Mariane.

        Sr. Regina

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    VolontärInnen in Grandchamp

    Zahlreiche VolontärInnen, Männer und Frauen verschiedenen Alters aus verschiedenen Ländern und Kontinenten, haben im Laufe dieses Jahres mit uns gelebt. Ihre Gegenwart, ihre ausgesprochene oder unausgesprochene Suche nach Gott und ihre Fragen öffnen uns andere Horizonte und bringen uns zugleich zum Wesentlichen zurück. Gemeinschaft wird geschenkt, dies geschieht im gemeinsamen Gebet und in der gemeinsamen Arbeit im Alltag. Ihre Hilfe, kostbar und unverzichtbar, ermöglicht uns, viele Gäste zu empfangen. Es ist für beide Seiten eine bereichernde Erfahrung.

    Ich schliesse die Augen und lasse in der Stille die unzähligen Augenblicke in mir aufsteigen, die ich in Grandchamp erlebt habe. Ein Lächeln erscheint auf meinem Gesicht, und auf mein Herz legt sich Frieden. Ich möchte alles mit den Worten des Propheten Jesaja zusammenfassen: „Kommt, wir wollen gehen im Licht des Herrn!“ (Jes 2,5)
    In einer Zeit persönlicher Suche hatte ich das Glück, in Grandchamp zu landen: einem Ort, der mir Aufbruch, Ruhe und Ankunft auf einem Pilgerweg bedeutet, um Gott, das Gebet und das Klosterleben zu entdecken.
    Es war ein Segen, eine Auszeit nehmen zu können, um dabei Gott in den Mittelpunkt zu stellen. Staunend konnte ich jene Wahrheit aus dem Jakobusbrief kosten: „Sucht die Nähe Gottes, dann wird er sich euch nähern.“ (Jak 4,8)
    Im Rhythmus der Tagzeitengebete leben, sich von der Stille, vom Gebet nähren, durch die Stille hindurch zur Gemeinschaft finden, am Leben der Schwestern teilnehmen, Arbeit und Mahlzeiten teilen und mit einer Schwester unterwegs sein, die zuhören kann und zum Austausch bereit ist: All das hat mir viel gebracht, mich vieles gelehrt und mir vor allem geholfen, mich nicht auf dem breiten Weg des Glaubens zu verlieren.
    Es war eine einzigartige und intensive Erfahrung für mich, die Heilige Woche mitzuerleben und von Tag zu Tag, Schritt für Schritt, auf das Licht des Osterfests zuzugehen. Dies hat mir ermöglicht, zum ersten Mal ganz stark die tiefe Freude über die Auferstehung zu erfahren.
    Grandchamp war für mich auch ein Ort, an dem ich entdecken konnte, dass der Schöpfer wirklich in seiner Schöpfung gegenwärtig ist. Die Spaziergänge der Areuse entlang zum See, die Sonnenaufgänge, die Natur und der Gesang der Vögel haben mich sehr inspiriert. Dankbar bewahre ich die Einsicht, die mir am Ufer des Sees zuteil wurde und die ich in meinem kleinen Heft notiert habe: Das Wasser glättet nach und nach den Stein. Die Liebe Gottes glättet nach und nach das Herz.

        Renaud, 23 Jahre
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    Mit grosser Freude und Dankbarkeit denke ich an das, was ich in Grandchamp erlebt habe, und an die Anwesenheit von Sr. Lucie-Martine bei meiner Ordination im Frühjahr, in einer evangelischen Kirche in Korea (Korean Evangelical Holiness Church), in der erst seit 2005 Frauen ordiniert werden. Bevor ich Pfarrerin in Seoul wurde, hatte ich 16 Jahre als Evangelistin gearbeitet. Durch diese arbeitsreichen Jahre war ich so erschöpft, dass ich am Rande der Depression war: Zweifel, Gewissensbisse, Vorwürfe, Traurigkeit ...
    Eines Tages hat mir eine Freundin ein Foto von einem Kloster in der Schweiz gezeigt. Auf geheimnisvolle Weise wurde ich von diesem Bild ergriffen, mein Herz schlug höher. So kam ich nach Grandchamp, das ich ja gar nicht kannte. Ich kam 2004 zu Beginn der Fastenzeit an. Sofort habe ich mich wohl gefühlt, wie zu Hause. Am Eingang der Arche sah ich ein Bild, das eine Koreanerin gemalt hat. Es zeigt Christus, der die Welt in seinen Armen hält; er schien mich zu erwarten. Während der Fastenzeit konnte ich, mit der Begleitung einer Schwester und nicht ohne Tränen, nach und nach zu Gott zurückkehren – so wie der Verlorene Sohn. Schliesslich konnte ich mit Gewissheit sagen: Ich bin Kind Gottes. Dieser Weg der Heilung hat es mir ermöglicht, alte Beziehungen ausheilen zu lassen und in meinem Herzen den Ort zu finden, an dem Gott wohnt. Ich konnte wieder seine Stimme hören und sagen: „Du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoss meiner Mutter. Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast.“ (Ps 139,13-14)
    Nach dieser aussergewöhnlichen Erfahrung von 9 Monaten in Grandchamp konnte ich meinen Dienst wieder aufnehmen. Und kurz vor meiner Ordination bin ich noch einmal für eine kurze Zeit dorthin gefahren, um die Luft des Orts meiner Wiedergeburt zu atmen ... Eine Rückkehr auch zum heiligen Ort meines Herzens, die es mir sicher, trotz meines schwachen Glaubens, ermöglichen wird, mit schwierigen Situationen in der Kirche zurechtzukommen, in der die Frauen nur mühsam ihren Platz finden.

        Sang Wha, 50 Jahre

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    Das Fest der Freundschaft und des Interreligiösen Dialogs
     von Neuchâtel


    Es herrscht eine gewisse Aufregung im Hof von Grandchamp, als am Morgen dieses 7. Juni die ersten Teilnehmenden zum Fest des Interreligiösen Dialogs von Neuchâtel ankommen. In kleinen Gruppen beginnen die letzten Vorbereitungen. Etwa 8 Personen, Buddhisten, Juden und Christen sitzen um den Tisch, an dem das Gemüse geputzt wird ... die Unterhaltung ist angeregt! Die Vorbereitung der Suppe hat eine gute Zusammenarbeit mit dem geistlichen Leiter der Synagoge von La Chaux-de-Fonds erfordert, um unsere Küche und unsere Töpfe „koscher“ zu machen. Von buddhistischer Seite wird der Platz für die Tee-Zeremonie vorbereitet, die dann viel Anklang findet. Eine Gruppe Bahais nimmt die Süssigkeiten entgegen für die interkulturelle Kaffeestunde, ein Klezmer-Orchester - eine musikalische Tradition der osteuropäischen Aschkenasim – übt unter der Leitung von François Lillienfeld.
    Der Tag war sehr abwechslungsreich: Musikstücke, Austausch am runden Tisch, Vortrag von Denis Müller über „Die Weisheit, einander anzusehen: für eine gemeinsame humanistische Ethik“ und Möglichkeiten zur persönlichen Begegnung.
    Diese erste öffentliche Veranstaltung des Interreligiösen Dialogs von Neuchâtel, zu dem Vertreter aller Religionen, die im Kanton vertreten sind (Buddhisten, Juden, Moslems, Bahais, Christen) zusammenkommen, war bewegend in ihrer Vielfalt und bereichernd durch die kulturellen und menschlichen Entdeckungen.
    Zum Abschluss dieses Festtags lud die Kommunität die Teilnehmenden zum Abendgebet ein. Das Orchester spielte noch einmal, und man hätte sich vorstellen können, wie sich das Dach der Arche hob, sich die Freude des Göttlichen auf die Versammlung herabsenkte und weiter in die Welt ausstrahlte.
    Vor über fünfzig Jahren sind Schwestern nach Israel, Algerien und in den Libanon aufgebrochen, um in kleinen Fraternitäten zu leben und so dem Wunsch nach einer Öffnung für die jüdischen Wurzeln unseres Glaubens und zur muslimischen Welt konkreten Ausdruck zu geben. Heute ist es in unseren multikulturellen Gesellschaften und in unserem gemeinsamen Bemühen um mehr Gerechtigkeit und Frieden und um aktive Gewaltfreiheit wichtig, starke Bande der Freundschaft zwischen allen zu knüpfen, die das Göttliche suchen. Der interreligiöse Dialog fordert heraus und regt uns an. Jede Entdeckung  eines Gebets oder geistlichen Texts einer anderen Religion bringt uns in Bewegung und lässt uns den Ernst und die Tiefe unseres eigenen Gebets neu entdecken. Ja, das Gebet weitet sich, bekommt eine neue Farbe, und diese gemeinsame Suche nach Gott trägt unsere Welt.

        Sr. Françoise 


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    Ja, der Horizont weitet sich ...

... der Horizont unseres so gewöhnlichen Alltags, der durch so viele Verbindungen - aus nah und fern, sichtbar und unsichtbar, in Solidarität und in Freundschaft - bereichert wird.
    Wir  staunen  darüber, wir sind unendlich dankbar für das Gebet, das uns umgibt, und für die Unterstützung von so vielen unter Ihnen. Wir danken Ihnen von ganzem Herzen!

    Wir hoffen mit Ihnen auf das Geschenk, in diesem Advent SEINEM Antlitz zu begegnen, der in der Demut und in der Armut der Krippe von Bethlehem zu uns kommt, ER, der Friedefürst!

    Jeder und jedem von Ihnen wünschen wir frohe Weihnachten und ein gesegnetes neues Jahr in SEINER Gegenwart!

         Ihre Schwestern von Grandchamp




Communauté de Grandchamp
Grandchamp 4
CH-2015 Areuse
 

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für Frankreich: Dijon 6 225 36 H