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„Was sucht ihr?“ Joh
1,38
Die ersten Worte Jesu im Johannesevangelium! Eine
Frage, zuvor ein
Blick auf zwei Jünger von Johannes dem Täufer, die ihm
stillschweigend
folgen. „Was sucht ihr?“ Sie fragen schüchtern: „Rabbi, wo wohnst
du?“
– „Kommt und seht“, sagt Jesus zu ihnen. Eine Einladung, die zum
Abenteuer ihres ganzen Lebens werden wird.
„Was sucht ihr?“ Diese einfachen Worte treffen jede
und jeden von
uns bei der Suche nach dem Sinn unseres Lebens, im innersten Sehnen des
Herzens. „Was suchst du?“ Die Frage reizt und vertieft unsere
Sehnsucht. Sie wendet uns hin zu einem Antlitz, zum Blick Jesu, der auf
uns ruht wie auf Nathanael - „Ich habe dich gesehen“ - und der uns auf
den Weg gebracht hat.
„Was sucht ihr?“ Diese Frage durchzog das Thema, das
wir für
unseren Schwesternrat und als Orientierung fürs ganze Jahr
ausgesucht
hatten:
„JüngerIn sein, JüngerIn werden“. Sie brachte uns zurück
zum Ruf
Christi in unserem Leben, um für ihn zu danken und in uns
nachhallen zu
lassen, was es heisst, in der heutigen Welt JüngerIn zu sein. Auch
wenn
wir es schon sind, werden wir doch nie damit fertig sein, es zu werden.
Wir gehen immer weiter von Neubeginn zu Neubeginn.
Ja, wir werden nur Jüngerinnen und Jünger,
wenn wir Tag für Tag mit
Christus unterwegs sind. Die Nachfolge öffnet uns – gestern wie
heute –
fürs Unerwartete und bewahrt uns nicht vor Prüfungen. Das
Verhalten
Jesu überrascht die ersten JüngerInnen oft und bringt ihre
Sicht- und
Denkweise durcheinander. Sie müssen akzeptieren, dass sie von den
Ereignissen überholt werden, dass sie mit ihrer menschlichen Armut
und
mit Angst konfrontiert werden, dass ihr Glaube auf die Probe gestellt
wird - bis dahin, dass sie nicht mehr verstehen, wohin er sie
führt.
Und dennoch müssen sie weitergehen.
Für uns ebenso wie für sie geht es darum,
bei Jesus zu bleiben, ihm
zuzuhören und zu sehen, wie er lebt: wie er sich in die Einsamkeit
zurückzieht, wie er den Armen, den Kranken, den Ausgeschlossenen
entgegengeht und besonders die Kinder aufnimmt; wir sollen ihn sehen,
wenn er Unverständnis, Zurückweisung und Leiden erfährt
... JüngerIn
werden heisst, von Christus zu lernen, der „sanft und von Herzen
demütig“ sich nie aufdrängt und niemanden verurteilt. Wir
können es
lernen, uns aus seiner Hand zu empfangen, wie er sich vom Vater
empfing, können lernen, durch den Heiligen Geist unser Leben nach
dem
Leben Jesu gestalten zu lassen und uns in seinen barmherzigen Blick,
seine Gesten, sein Schweigen hinein nehmen zu lassen.
Mit Christus unterwegs sein bedeutet immer, das
Geschenk einer
Gemeinschaft und einer Liebe zu empfangen, die uns erwartet, die nicht
am Bösen festhält und bei jedem Schritt Erneuerung
ermöglicht. „Liebst
du mich?“ Dies ist die letzte Frage des Auferstandenen an Petrus am
Ufer des Sees Genezaret, wo alles angefangen hat. Was für ein Weg
für
den aufbrausenden und grossherzigen Jünger, der aber – wie
die anderen
– oft nicht die Einstellung, die Vorhaben und den wahren Auftrag Jesu
verstand. Nur durch die schmerzliche Erfahrung seiner Schwäche
hindurch, durch Verleugnung und Scheitern kann er im Blick des
Auferstandenen wiedergeboren werden: „Liebst du mich?“ Es ist ein Blick
unendlicher Güte, der Petrus in seinem Innersten trifft und den
verborgenen Drang seines Herzens befreit. „Herr, du weisst alles. Du
weisst, dass ich dich liebhabe.“ Da hört er den Ruf neu, der ihn
weit
über sich hinaus zieht, bis zur Hingabe seines Lebens: „Du, folge
mir
nach.“
Ein Ruf, immer neu, in jeder Zeit des Lebens. Der
Auferstandene ist
da und richtet uns unermüdlich auf durch die Kraft des Heiligen
Geistes. Vor allem dann, wenn die Versuchung auftaucht, das Evangelium
allein auf unsere menschlichen Möglichkeiten zu reduzieren. Er
trägt
uns in den unvermeidlichen Krisen.
Wie aber können wir uns darin üben,
unseren Alltag, die heutige
Welt mit ihren Herausforderungen und die Kirche, die oft in Frage
gestellt wird, mit den Augen des Glaubens zu sehen? Gott ist in allem
am Werk. In diesem Vertrauen wollen wir von ihm die Fragen, die uns
beschäftigen, erhellen lassen, zum Beispiel angesichts des
zunehmenden
Alters und der nachlassenden Kräfte in den meisten
Kommunitäten,
während die Herausforderungen immer grösser werden. Was
erwartet er von uns? Wie viele andere
müssen wir
heute die Realität so annehmen, wie sie ist, mit allen
Unwägbarkeiten,
aber ohne der Versuchung nachzugeben, die Zukunft ängstlich
organisieren zu wollen. Wir müssen es akzeptieren, mit offenen
Fragen
unterwegs zu sein, ohne zu wissen, wohin wir gehen. Dieses
Einverständnis setzt Kräfte frei und regt die
Kreativität an, unseren
Alltag zu vereinfachen und uns anderen Formen des Teilens und der
Zusammenarbeit zu öffnen. Gott erwartet uns im Heute; da wo wir es
lernen, unser Leben hinzugeben und zu lieben, um miteinander ein – wenn
auch geringes – Zeichen jener Liebe zu sein, mit der wir geliebt
werden, ein Zeichen einer Gemeinschaft, die offen ist für alle.
„Daran werden alle erkennen, dass ihr
meine
Jünger, meine Jüngerinnen seid: wenn ihr einander liebt.“
(Joh 13,35)
Was suchen wir also anderes, als dies: gemeinsam dem
Auferstandenen
nachfolgen, das wenige, das wir haben, das wir sind, zur
Verfügung
stellen, im Vertrauen darauf, dass ein Anderer am Werk ist und dass
dieses wenige genügt. Unsere Aufgabe ist es, mit vielen anderen,
bekannten und unbekannten, aus nah und fern, die mitunter in ihrem
Engagement für Gerechtigkeit und Frieden an exponierter Stelle
sind,
vorwärts zu gehen, einander durch Gebet und Teilen zu
unterstützen und
uns vom Atem der Seligpreisungen durchdringen zu lassen:
DIE FREUDE, die die Welt so
dringend braucht
DIE EINFACHHEIT,
die das Leben leicht macht
DIE
BARMHERZIGKEIT, die das Herz weit werden lässt
Sr. Pierrette
***
Der
Brief aus Grandchamp
hat dieses Mal ein etwas anderes Gesicht. Wir stellen Ihnen vier
Berichte und Zeugnisse vor: von Sr. Regina über ihre Reise in den
Kongo, von Renaud und Sang Wha, die eine Weile als VolontärInnen
bei
uns waren, und von Sr. Françoise über das schöne,
strahlende
Fest des
Interreligiösen Dialogs von Neuchâtel: kleine Fenster zum
reichen
Erleben dieses Jahres ...
***
Reise
nach Nord-Kivu
Dass wir
Schwestern aus anderen
Kulturen aufnehmen, lädt dazu ein, früher oder später
auch ihr Land zu
entdecken. Sr. Regina, die Verantwortliche für die neuen
Schwestern,
hat im Frühjahr den Kongo besucht und mit Sr. Mariane und ihrer
Familie
dort in der Region von Nord-Kivu zehn intensive Tage erlebt ...
Am Ende einer langen Reise lande ich in Butembo in
der
Demokratischen Republik Kongo. Am Flughafen fallen gleich die
militärischen Gebäude auf, die daran erinnern, dass sich
dieses Land
immer noch im Kriegszustand befindet, in einem Krieg, der einem
Völkermord gleicht, besonders in der Region Nord-Kivu.
Während meines
ganzen Aufenthalts begegne ich der Schönheit, der Fruchtbarkeit
sowie
dem unendlichen Leid dieses verwüsteten und ausgebeuteten Landes.
Sr. Mariane, ihre Familienangehörigen - ein
Onkel, Pfarrer, ist
extra aus Goma angereist, Schwester Emmanuele M’Bake, Verantwortliche
der Oblates de l‘Assomption, Eve-Evelyne, ihre Schwester Jeanne ...
alle sind sie da, um mich zu begrüssen. Der Empfang ist warmherzig
und
voller Freude. Diese Erfahrung machen wir immer wieder in diesen zehn
Tagen. Auch bei der Mutter und den Geschwistern von Eve-Evelyne wurden
wir grosszügig empfangen.
Ein Freund von Sr. Mariane, Vater von 9 Kindern, der
sich auch um
die 3 Kinder seines Bruders kümmert, sagt zu mir: „Gott segnet
die
Frauen im Kongo mit vielen Kindern.“ Viele Familien nehmen bei sich
noch andere Kinder auf, um ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen.
Ich
habe darüber gestaunt. „Das ist doch nichts Besonderes, Schwester,
das
ist einfach die afrikanische Solidarität“, sagt die Schwester von
Sr.
Mariane, die mehrere junge Leute bei sich aufgenommen hat. Bei ihrer
Mutter leben ebenfalls 3 junge Mädchen, die noch in der Ausbildung
sind.
Jeden Morgen und Abend hört man Trommeln und
Loblieder in den
Häusern; man könnte fast sagen, dass der Kongo ein grosses
Kloster ist!
Wir nahmen an einem sehr lebhaften, schwungvollen Gottesdienst teil.
Ein Prediger spricht von der Wichtigkeit des Gebens: „Nur im Geben
empfängt man etwas, das ist ein geistliches Gesetz.“ Was für
eine
Lektion: Geben ohne Berechnung, selbst wenn man nicht genug für
sein
eigenes Haus hat. Immer wieder musste ich an die arme Witwe aus dem
Evangelium denken, die von ihrem Mangel abgibt.
Wir trafen uns mit Pfarrern und
Kirchenältesten, um über das
monastische Leben in den Traditionen der Reformation zu sprechen. Es
gibt Frauen in der Baptistischen Kirche im Kongo, die sich zu einem
Gebetsleben in Gemeinschaft berufen fühlen und ernsthaft auf der
Suche
sind.
Ein unvergesslicher Ausflug führte uns in ein
grosses Gebiet mit
Rinder- und Schafherden, oberhalb von Butembo. „Man muss nur pflanzen,
und dann wächst alles allein“, sagt uns der Besitzer. Die
Schönheit der
Hügel, der Reichtum des Bodens, die Bananenstauden lassen fast
vergessen, dass dieses Land von unschuldigem Blut getränkt ist.
Hier
kamen abends die Rebellen, um die Hütten der Kleinbauern
anzuzünden,
das wenige, das sie besassen, zu rauben und die Kinder zwischen 8 und
12 Jahren zu entführen. Heute versucht man, die KindersoldatInnen
–
Jungen und Mädchen - wieder zu integrieren und in die Schule
zu
schicken. Ein junger Kongolese, der für eine NGO arbeitet, sagte
uns,
dies sei eine gewaltige Arbeit, die in den Augen mancher
EuropäerInnen
sinnlos sei, da man keine Ergebnisse sieht; sehr oft holen die
Rebellen die Kinder zurück. Für die Menschen, die sich dieser
Arbeit
verschrieben haben, ist sie ein schlichter Akt der Menschlichkeit. Die
Familien und die Dörfer wollen diese Kinder nicht mehr oder haben
sogar
Angst vor ihnen, weil sie unter Einwirkung von Drogen unglaubliche
Gewalttätigkeiten erlitten und begangen haben.
Der andere Ausflug führte nach Ouicha, ca. 80
km von Butembo
entfernt, zu den Kleinen Schwestern Jesu. Kolonnen von Männern
und
Frauen tragen schwere Lasten; sie wagen es wieder, entlang der
Strassen ihre Waren zu verkaufen. Die Fraternität der Kleinen
Schwestern war früher am Rande eines Waldes, in dem Pygmäen
wohnten;
heute befindet sich dort ein aufstrebendes Dorf. Ihre pygmäischen
Freunde, die sich in den Wald zurückgezogen haben, kommen immer
wieder
zu Besuch.
Während Sr. Mariane und ich über den
riesigen Urwald und die
Grossen Seen zurück in die Schweiz fliegen, werfe ich einen
letzten
Blick auf dieses so reiche Land, das so viele Begehrlichkeiten auf sich
zieht.
Diese Reise ist eine tiefe Erfahrung, durch die sich
mein Herz ganz
neu für die Weite der Welt und die Realität im Kongo
geöffnet hat, die
ja auch ganz konkret in unserer Kommunität lebt, durch die
Anwesenheit
von
Sr. Mariane.
Sr. Regina
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VolontärInnen in Grandchamp
Zahlreiche
VolontärInnen, Männer
und Frauen verschiedenen Alters aus verschiedenen Ländern und
Kontinenten, haben im Laufe dieses Jahres mit uns gelebt. Ihre
Gegenwart, ihre ausgesprochene oder unausgesprochene Suche nach Gott
und ihre Fragen öffnen uns andere Horizonte und bringen uns
zugleich
zum Wesentlichen zurück. Gemeinschaft wird geschenkt, dies
geschieht im
gemeinsamen Gebet und in der gemeinsamen Arbeit im Alltag. Ihre Hilfe,
kostbar und unverzichtbar, ermöglicht uns, viele Gäste zu
empfangen.
Es ist für beide Seiten eine bereichernde Erfahrung.
Ich schliesse die Augen und lasse in der Stille die
unzähligen
Augenblicke in mir aufsteigen, die ich in Grandchamp erlebt habe. Ein
Lächeln erscheint auf meinem Gesicht, und auf mein Herz legt sich
Frieden. Ich möchte alles mit den Worten des Propheten Jesaja
zusammenfassen: „Kommt, wir wollen gehen im Licht des Herrn!“ (Jes 2,5)
In einer Zeit persönlicher Suche hatte ich das
Glück, in Grandchamp
zu landen: einem Ort, der mir Aufbruch, Ruhe und Ankunft auf einem
Pilgerweg bedeutet, um Gott, das Gebet und das Klosterleben zu
entdecken.
Es war ein Segen, eine Auszeit nehmen zu
können, um dabei Gott in
den Mittelpunkt zu stellen. Staunend konnte ich jene Wahrheit aus dem
Jakobusbrief kosten: „Sucht die Nähe Gottes, dann wird er sich
euch
nähern.“ (Jak 4,8)
Im Rhythmus der Tagzeitengebete leben, sich von der
Stille, vom
Gebet nähren, durch die Stille hindurch zur Gemeinschaft finden,
am
Leben der Schwestern teilnehmen, Arbeit und Mahlzeiten teilen und mit
einer Schwester unterwegs sein, die zuhören kann und zum
Austausch
bereit ist: All das hat mir viel gebracht, mich vieles gelehrt und mir
vor allem geholfen, mich nicht auf dem breiten Weg des Glaubens zu
verlieren.
Es war eine einzigartige und intensive Erfahrung
für mich, die
Heilige Woche mitzuerleben und von Tag zu Tag, Schritt für
Schritt, auf
das Licht des Osterfests zuzugehen. Dies hat mir ermöglicht, zum
ersten
Mal ganz stark die tiefe Freude über die Auferstehung zu erfahren.
Grandchamp war für mich auch ein Ort, an dem
ich entdecken konnte,
dass der Schöpfer wirklich in seiner Schöpfung
gegenwärtig ist. Die
Spaziergänge der Areuse entlang zum See, die Sonnenaufgänge,
die Natur
und der Gesang der Vögel haben mich sehr inspiriert. Dankbar
bewahre
ich die Einsicht, die mir am Ufer des Sees zuteil wurde und die ich in
meinem kleinen Heft notiert habe: Das Wasser glättet nach und nach
den
Stein. Die Liebe Gottes glättet nach und nach das Herz.
Renaud, 23 Jahre
*
Mit grosser Freude und Dankbarkeit denke ich an
das, was ich in
Grandchamp erlebt habe, und an die Anwesenheit von Sr. Lucie-Martine
bei meiner Ordination im Frühjahr, in einer evangelischen Kirche
in
Korea (Korean Evangelical Holiness Church), in der erst seit 2005
Frauen ordiniert werden. Bevor ich Pfarrerin in Seoul wurde, hatte ich
16 Jahre als Evangelistin gearbeitet. Durch diese arbeitsreichen Jahre
war ich so erschöpft, dass ich am Rande der Depression war:
Zweifel,
Gewissensbisse, Vorwürfe, Traurigkeit ...
Eines Tages hat mir eine Freundin ein Foto von einem
Kloster in der
Schweiz gezeigt. Auf geheimnisvolle Weise wurde ich von diesem Bild
ergriffen, mein Herz schlug höher. So kam ich nach Grandchamp, das
ich
ja gar nicht kannte. Ich kam 2004 zu Beginn der Fastenzeit an. Sofort
habe ich mich wohl gefühlt, wie zu Hause. Am Eingang der Arche sah
ich
ein Bild, das eine Koreanerin gemalt hat. Es zeigt Christus, der die
Welt in seinen Armen hält; er schien mich zu erwarten.
Während der
Fastenzeit konnte ich, mit der Begleitung einer Schwester und nicht
ohne Tränen, nach und nach zu Gott zurückkehren – so wie der
Verlorene
Sohn. Schliesslich konnte ich mit Gewissheit sagen: Ich bin Kind
Gottes. Dieser Weg der Heilung hat es mir ermöglicht, alte
Beziehungen
ausheilen zu lassen und in meinem Herzen den Ort zu finden, an dem Gott
wohnt. Ich konnte wieder seine Stimme hören und sagen: „Du hast
mein
Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoss meiner Mutter. Ich danke
dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast.“ (Ps 139,13-14)
Nach dieser aussergewöhnlichen Erfahrung von 9
Monaten in
Grandchamp konnte ich meinen Dienst wieder aufnehmen. Und kurz vor
meiner Ordination bin ich noch einmal für eine kurze Zeit dorthin
gefahren, um die Luft des Orts meiner Wiedergeburt zu atmen ... Eine
Rückkehr auch zum heiligen Ort meines Herzens, die es mir sicher,
trotz
meines schwachen Glaubens, ermöglichen wird, mit schwierigen
Situationen in der Kirche zurechtzukommen, in der die Frauen nur
mühsam
ihren Platz finden.
Sang Wha, 50 Jahre
***
Das Fest der
Freundschaft und des Interreligiösen Dialogs
von Neuchâtel
Es herrscht eine gewisse Aufregung im Hof von
Grandchamp, als am
Morgen dieses 7. Juni die ersten Teilnehmenden zum Fest des
Interreligiösen Dialogs von Neuchâtel ankommen. In kleinen
Gruppen
beginnen die letzten Vorbereitungen. Etwa 8 Personen, Buddhisten, Juden
und Christen sitzen um den Tisch, an dem das Gemüse geputzt wird
...
die Unterhaltung ist angeregt! Die Vorbereitung der Suppe hat eine gute
Zusammenarbeit mit dem geistlichen Leiter der Synagoge von La
Chaux-de-Fonds erfordert, um unsere Küche und unsere Töpfe
„koscher“ zu
machen. Von buddhistischer Seite wird der Platz für die
Tee-Zeremonie
vorbereitet, die dann viel Anklang findet. Eine Gruppe Bahais nimmt
die Süssigkeiten entgegen für die interkulturelle
Kaffeestunde, ein
Klezmer-Orchester - eine musikalische Tradition der
osteuropäischen
Aschkenasim – übt unter der Leitung von François
Lillienfeld.
Der Tag war sehr abwechslungsreich:
Musikstücke, Austausch am
runden Tisch, Vortrag von Denis Müller über „Die Weisheit,
einander
anzusehen: für eine gemeinsame humanistische Ethik“ und
Möglichkeiten
zur persönlichen Begegnung.
Diese erste öffentliche Veranstaltung des
Interreligiösen Dialogs
von Neuchâtel, zu dem Vertreter aller Religionen, die im Kanton
vertreten sind (Buddhisten, Juden, Moslems, Bahais, Christen)
zusammenkommen, war bewegend in ihrer Vielfalt und bereichernd durch
die kulturellen und menschlichen Entdeckungen.
Zum Abschluss dieses Festtags lud die
Kommunität die Teilnehmenden
zum Abendgebet ein. Das Orchester spielte noch einmal, und man
hätte
sich vorstellen können, wie sich das Dach der Arche hob, sich die
Freude des Göttlichen auf die Versammlung herabsenkte und weiter
in die
Welt ausstrahlte.
Vor über fünfzig Jahren sind Schwestern
nach Israel, Algerien und
in den Libanon aufgebrochen, um in kleinen Fraternitäten zu leben
und
so dem Wunsch nach einer Öffnung für die jüdischen
Wurzeln unseres
Glaubens und zur muslimischen Welt konkreten Ausdruck zu geben. Heute
ist es in unseren multikulturellen Gesellschaften und in unserem
gemeinsamen Bemühen um mehr Gerechtigkeit und Frieden und um
aktive
Gewaltfreiheit wichtig, starke Bande der Freundschaft zwischen allen zu
knüpfen, die das Göttliche suchen. Der interreligiöse
Dialog fordert
heraus und regt uns an. Jede Entdeckung eines Gebets oder
geistlichen
Texts einer anderen Religion bringt uns in Bewegung und lässt uns
den
Ernst und die Tiefe unseres eigenen Gebets neu entdecken. Ja, das Gebet
weitet sich, bekommt eine neue Farbe, und diese gemeinsame Suche nach
Gott trägt unsere Welt.
Sr. Françoise
***
Ja, der
Horizont weitet sich ...
... der Horizont unseres so gewöhnlichen Alltags, der durch so
viele
Verbindungen - aus nah und fern, sichtbar und unsichtbar, in
Solidarität und in Freundschaft - bereichert wird.
Wir staunen darüber, wir sind
unendlich dankbar für das Gebet,
das uns umgibt, und für die Unterstützung von so vielen unter
Ihnen.
Wir danken Ihnen von ganzem Herzen!
Wir hoffen mit Ihnen auf das Geschenk, in diesem
Advent SEINEM
Antlitz zu begegnen, der in der Demut und in der Armut der Krippe von
Bethlehem zu uns kommt, ER, der Friedefürst!
Jeder und jedem von Ihnen wünschen wir frohe
Weihnachten und ein gesegnetes neues Jahr in SEINER Gegenwart!
Ihre Schwestern von Grandchamp
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